Artikel Freegan, nicht vegan!
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Freegan, nicht vegan!
„Freegan“ – Was ist das? Wer glaubt, hier sofort eine Verbindung zum Namensteil Vegan herstellen zu können, der irrt. Denn Vegan ist nur ein Bestandteil einer neuen stetig wachsenden Lebenskultur, die mittlerweile auch fester Bestand des sozialen Zusammenlebens in der Hauptstadt geworden ist; Freeganismus.
Freeganismus beschreibt die Absicht den negativen Einfluss des Einzelnen auf die Umwelt, die Tierwelt und das menschliche Leben durch weitgehende Verweigerungen der Teilnahme an einer kapitalistischen Volkswirtschaft zu verringern. Mit anderen Worten, Freegan beschreibt eine neue Lebenskultur, die sich vor allem gegen die hegemoniale Kultur des Kapitalismus richtet. Freeganer legen hohen Wert auf gemeinschaftliches Teilen und gegenseitige Hilfe und versuchen bzw. streben danach die einhergehenden Nöte des Alltags weitestgehend „kostenlos“ zu überstehen. Somit bezieht sich die Grundlage des Freeganismus meist auf die Beschaffung kostenfreier Nahrung und dem dazugehörigen, allumfassenden Lebensstil. Der Freeganer verachtet den Kapitalismus vor allem aus folgenden Gesichtspunkten:
1. Der Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft
2. Der Massentierhaltung und den damit verbundenen Tierversuchen und Tiertransporten
3. Die Zerstörung der Umwelt, speziell die Abholzung des Regenwaldes
Liest man sich diese Punkte genauer durch, lässt es sich nur erahnen, wie hoch der tägliche Verzicht eines Freeganers sein muss, um seinen ethnischen Lebensstil so zu manifestieren, dass seine Bedürfnisse die gleiche Befriedigung erlangen, wie die der Nicht-Freeganer. Der große Unterschied zu anderen gesellschaftlichen Gruppen, besteht vor allem darin, dass der Freeganer mit seinem Lebensstil nur sehr selten in die Freiräume anderer Gruppen eindringt. So zum Beispiel ist die meist vollzogene freegane Praktik, die des Sammelns. Das beinhaltet die Verwertung abgelaufener und weggeworfener Lebensmitteln und ausrangierter Kleidung, den Bezug verlassener Gebäude und teilweise den Verzehr und die Suche nach wilden Pflanzen.
Da in modernen Industriegesellschaften die Ansprüche in Bezug auf Hygiene und Lebensmittel konsumentenorientiert, sich im stetigen Wachstum befinden, beschreibt das klassische Verfallsdatum schon lange nicht mehr das tatsächliche Verfallsdatum. Diesen wachsenden Anspruch hat sich die freegane Lebenskultur besonders zu nutzen gemacht. In den USA ist das so genannte „dumpster diving“ (Mülltonnentauchen) jedem Großmarkt und jedem Einzelhändler bereits ein Begriff, da absurder weise, typisch kapitalistisch dreimal so viel produziert wird, wie tatsächlich konsumiert wird. Da bleibt doch als logische Konsequenz nur stehen, dass dieses natürliche, unaufdringliche Verfahren der Konsumbeschaffung in der Produktion bereits berücksichtigt wurde. In Deutschland nennen wir diese besondere Form der Lebensmittelbeschaffung „Containern“. Und ein letztes wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist die Legitimation einer selbstbestimmten Lebenskultur. Das heißt, der Freeganer hat sich bewusst für diese Form des Alltags entschieden. Denn im Gegensatz zu Bettlern, Obdachlosen oder sonstigen Bedürftigen, lässt sich der Beweggrund des Freeganers für seinen Lebensstil weder durch eine finanziellen Notlage durch Arbeitslosigkeit, noch durch Krankheit oder Armut, begründen.
Bei den Recherchen zur genannten Thematik erlebte ich praktisch meine eigene Kultur des Kapitalismus und musste unweigerlich feststellen, dass die oben genannte „neue“ Lebensart für mich alles andere als einfach wäre.
Und je länger man sich mit solch einer Thematik befasst, desto größer wird auch der Wunsch zur teilnehmenden Beobachtung, gerade in Berlin, wo so viele verschiedene Lebensstile Tür an Tür miteinander funktionieren und sich täglich begegnen.
Infos zu oben genannten Thematik findet ihr unter:
http://freegan.info/
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