Artikel Unglaublich! Unternehmensberatung schreibt vor, was man essen darf!
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Unglaublich! Unternehmensberatung schreibt vor, was man essen darf und
was nicht!
„Dressed
for Success - Richtlinien für Mitarbeiter von Kerkhoff Consulting GmbH!“ So werden
die Grundregeln über das „Erscheinungsbild eines Consultants“ kurz vor der
Einstellung bei Kerkhoff benannt. Im ersten Moment würde man denken: „Klar, ein
gepflegtes Äußeres ist als Berater sehr wichtig!“ Was allerdings die Kerkhoff
Consulting GmbH ihren neuen Mitarbeitern bei Einstellung aufdiktiert, ist nicht
nur anmaßend, grenzüberschreitend und unzumutbar, sondern die totale
Witznummer.
Tatsächlich muss jeder Neuankömmling den so genannten
„Dress for Success“, einen Richtlinienvertrag, bezüglich des Erscheinungsbildes,
unterzeichnen. Dieser beinhaltet neun Grundregeln.
Die mir auffälligsten Dreistigkeiten haben ich kurz notiert:
___________________
1.
Allgemeines
„ […] Ihr Outfit muss in allen Details einwandfrei sein.
Kernaspekte sind:
Kombinierbarkeit: Auffällig gemusterte Krawatten
lassen sich mit in anderer Weise auffällig gemusterten Hemden nur schwer
geschmackvoll kombinieren. Deshalb ist es ratsam, eines der beiden
Kleidungsstücke unifarben zu wählen. Der Anzug sollte idealerweise mit mehreren
Hemden/Krawatten-Varianten harmonisieren. Eine Farbkombination wie z.B. ein
dunkles Sakko mit heller Hose entsprechen nicht dem gewünschten Bild. Kontraste:
Klare und deutliche Kontraste wirken dynamischer, ein weißes Hemd zum dunklen
Anzug symbolisiert Seriosität.“
2.
Anzug
„[…] Farben: Anthrazitfarben, (dunkel)grau,
dunkelblau, dunkelbraun, schwarz Muster: Generell eher unifarben, dezente
Nadelstreifen o. ä. sind akzeptabel Stoff: Schurwolle Sakko-Schnitt: Einreiher
(ggf. mit Weste), Zweireiher: Ärmellänge jeweils bis zum Daumenansatz Knöpfe:
Anzahl variiert nach Modetrend; sie sollten jedoch unauffällig sein. Hose:
Bundfaltenhose mit/ohne Umschlag aus gleichem Stoff wie das Sakko. Keine Farbkombinationen! Die Beinlänge
reicht genau bis zum Absatz. Ein in Material, Länge und Farbe passender Gürtel
aus Leder wird angeraten. Revers: keine Blumen, Anstecknadeln, Auszeichnungen
etc. Sonstige Hinweise: Entfernen Sie
auf jeden Fall etwaige Labels am Ärmel in Höhe des Handgelenks! Anzugtaschen (Sakko & Hose) sind möglichst nicht zu befüllen, um
Ausbeulungen zu vermeiden.“
3.
Hemd
„Als
Consultant tragen Sie ein sauberes, knitterfreies Hemd mit langen Ärmeln, die
etwa 1 cm über die Enden der Sakkoärmel hinausragen. Nicht anliegende Kragen
sind unpassend, es sollten allenfalls zwei Finger zwischen Hemdkragen und Hals
passen. […]“
4.
Schuhe und Strümpfe
„Das
Business-Outfit erfordert hochwertige, blank geputzte Leder-Schuhe, die zum
Anzug und zum Anlass passen. Die Farbe der Schuhe und Strümpfe sollte in
jedem Fall auf den Anzug abgestimmt sein. Mit schwarzen Strümpfen und eleganten
schwarzen Schuhen sind Sie immer auf der sicheren Seite. Schuhe: Oxford und Budapester (mit Lochmuster).
Grundregel: Bei Repräsentationspflichten und Veranstaltungen nach 18 Uhr sind schwarze Schuhe
angemessen. Farben: Schwarz ist fasst immer richtig, braun möglich. Pflege:
Verwenden Sie für die Schuhe handelsübliche Pflegeprodukte und Schuhspanner, um
die Qualität zu erhalten. Entfernen Sie außerdem Etiketten von Schuhsohlen.
Strümpfe: Dunkel. Idealerweise kniehoch, damit auch bei übereinander
geschlagenen Beinen keine Haut des Beines sichtbar ist. Dezente Muster sind
akzeptabel.“
5.
Krawatte
„Die Krawatte ist das hervorstechendste Accessoire
des Outfits. Sie verleiht Ihrem Erscheinungsbild die individuelle Note und sollte daher unbedingt auf den Rest der
Kleidung abgestimmt sein. Die Krawatte wird nicht gelockert oder zum Verdecken
eines offenen Kragenknopfes benutzt. Farben: Gedeckte Farben (passend zum
Anzugstoff oder zum Hemd) mit maximal vier integrierten Farbtönen. Kräftige
Farben können harmonische Kontraste mit dem Hemd bilden (siehe Foto).“
6.
Sonstige Accessoires
„Das Erscheinungsbild muss „vom Scheitel bis zur Sohle“ stimmig sein, um beim Betrachter einen
positiven Gesamteindruck zu hinterlassen. Einzelne, als störend empfundene
Details fallen hingegen negativ auf, auch wenn Sie aus Gründen der Etikette
kein Feedback bekommen werden. Abgesehen von den herkömmlichen Kleidungsstücken
führt man oft einige individuelle Accessoires zur Zierde oder für den
persönlichen Bedarf mit sich, wie zum Beispiel: Brille, Ring, Schirm, Gürtel,
Krawattennadel, Visitenkartenetui, Schreibutensilien, Tasche, Mobiltelefon,
Organizer etc. Alle Accessoires müssen dezent, geschmackvoll und in ihrer Optik
hochwertig wirken. Ringe: Maximal zwei Exemplare inklusive Ehering. Kein
Ohrschmuck, keine erkennbaren Piercings etc. Uhren: Dezente und elegante
Armbanduhren. Keine auffälligen Sport- und Freizeituhren. Keine Luxus-Imitate. Taschenuhren mit Einschränkungen (Anlass,
Provenienz). Mobiltelefon: Auf die Wahl eines unauffälligen Klingeltons achten.
Ansonsten gelten die üblichen Etikette-Regeln für den Telefongebrauch.“
7.
Jacken und Mäntel
„Jacken und Mäntel dienen nicht nur dem Schutz vor
Kälte, Wind, Regen und Staub. Die Wahl dieser Oberbekleidung verrät in den
entscheidenden ersten Sekunden einer Begegnung viel über Ihre Person und Ihren
Status. Das Ankommen und Aufbrechen im Geschäftsleben ist mit einer Vielzahl
von Etikette-Regeln verknüpft, die Ihnen vertraut sein müssen. Das Ablegen des
Mantels markiert den gesellschaftlichen Auftritt, das Anlegen dem entsprechend
das formale Ende. Farben: Neutral, eher dunkel und schlicht. Länge: Mindestens
länger als das Sakko. Material: Wolle in diversen Varianten, elegant
verarbeitet.“
8.
Körperpflege
„Obwohl eine einwandfreie Körperhygiene inklusive täglicher Dusche und
Rasur per se vorausgesetzt wird, sind dennoch an dieser Stelle einige
Anmerkungen zu ergänzen. Haarschnitt: Modisch-dezent. Gel, Wachs, Haarspray,
Schaum etc. sollte eher sparsam verwendet werden. Mundhygiene: Intensive
Zahnpflege und Atemfrische sind besonders wichtig. Speisen und Getränke unter
diesen Gesichtspunkten bereits am Vortag auswählen! Düfte: Parfums,
Rasierwasser und Deodorants. Sie sollten generell nur aus nächster Nähe
wahrnehmbar sein. Duftwolken gleich welcher Provenienz wirken meistens extrem
störend und unsympathisch.“
9.
Schlussbemerkung
„Die Kerkhoff Consulting GmbH konzentriert sich auf
Kosteneinsparungen bei Erreichung einer optimalen Qualität. Erkennbar viel
Geduld in Labels (mit bisweilen bescheidener Qualität) zu investieren, zeugt
nicht unbedingt von Konsistenz von Berater und Beratungskonzept. Achten Sie
deshalb bitte darauf, diese Firmenphilosophie bestmöglich zu verkörpern!“
______________
Die Firma schreibt nicht nur vor welche Stoffe, Farben oder Strümpfe man
tragen darf, sondern auch was man isst, und wie man sich wäscht. Damit
überschreitet Kerkhoff definitiv die unantastbaren Grenzen des persönlich-Privaten
und bedient sich einer Oberflächlichkeit die kaum noch zu toppen ist. Das
Unternehmen verteilt offensichtlich Verbote, die weit über die üblichen
Geschäftsbedingungen eines erfolgreich, arbeitenden Beraters hinausgehen, und
sollten so auf keinen Fall geduldet werden.
Darüber hinaus wird eine Hierarchie begründet, die darauf schließen
lässt, dass die genannte Firmenphilosophie die Rechte des Einzelnen weit
übersteigt und damit das all umworbene, wirtschaftliche Leistungsprinzip völlig
kompromittiert und untergräbt. Ein Arbeitgeber darf seinem Angestellten
definitiv nicht vorschreiben oder gar maßregeln was am vorigen Abend gespeist
und nicht gespeist wird, und erst recht nicht Aufklärungsarbeit in Punkto
Körperhygiene erteilen, solange sie nicht nachweislich die Wirtschaftlichkeit
oder das Firmenklima bedroht. Derartig ungerechtfertigte Annahmen bereits vor
Beginn des Arbeitsverhältnisses vertraglich festzulegen, ist und bleibt eine
absolute Witznummer.
Als logische Konsequenz auf die oben genannten Richtlinien folgt ein einziges
„für dumm verkaufen“ der Arbeitnehmer, die meistens nur auf eines angewiesen
sind: ARBEIT.
Die Firma Kerkhoff Consulting GmbH sollten ihre doch so
aufwendig durchdachten Vorstellungen und Strategien über die Erscheinungsbilder
der Mitarbeiter schnellstmöglich überdenken und berücksichtigen, dass es jene
Menschen sind, die den Erfolg der Firma garantieren.
63 Kommentare
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Kommentare zu Unglaublich! Unternehmensberatung schreibt vor, was man essen darf!
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Die ISO 9001 ist doch auch nur ne Abzocke wo alter Wein in neuen Schläuchen mit Siegel verkauft wird!
Mal etwas Übertrieben:
Ein Automechaniker vergisst immer wieder beim Radwechseln die Schrauben anzuziehen.
Dann sagt die ISO9001 im das Schrauben anziehen auf ein Zettel zu schreiben den er beim Reifenwechsel Zeile für Zeile abzuarbeiten hat.
Hi theman: LINK
Da kannst du dir anschauen, wofür das so ist.
Das mit dem Bärenkostüm fand ich ziemlich witzig, laurentia, aber nicht wirklich passend. Außerdem fänd ich es witzig, wenn die im Bärenkostüm hinter der Kasse sitzen würden *lach*
Da hast du gar nicht mal so unrecht. Wenn ich mir manchmal die kleinen Azubis in der Sparkasse so ansehe, sind das doch die mit den besten Anzügen aber mit dem wenigsten Fachwissen. Werden wir also von den best-dressed nur verhökert?
Was ist ein zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem wie z.B. EN ISO..... ? Ich versteh nicht ganz worauf du damit hinauswillst.
Nach unten reglementieren kann die Kerkhoff Consulting GmbH gut, dabei hat sie noch nicht einmal ein zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem, z. B. die EN ISO 9001:2000.
Schon mal bemerkt? Die effektivsten Abzocker sind immer elegant gekleidet.
natürlich macht arbeitskleidung sinn und ist erwünscht, aber jemandem vorzuschreiben, dass er keine plagiate tragen darf oder welche farbe oder muster die kleidung haben dürfen, finde ich schon etwas zu weit gegriffen. was in erster linie zählt, ist sowieso das können.wenn es sich um ein unternehmen handelt, das sehr viel kundenkontakt hat, zählt auch noch sehr der umgang mit den menschen.ich finde es ok zu sagen, bitte kommen sie im anzug etc. aber nicht solche klauseln in einem arbeitsvertrag, wie Keine Luxus-Imitate. Taschenuhren mit Einschränkungen (Anlass, Provenienz). Mobiltelefon: Auf die Wahl eines unauffälligen Klingeltons achten. Ansonsten gelten die üblichen Etikette-Regeln für den Telefongebrauch.“
was passiert, wenn man kein geld hat sich die ganzen sachen zu kaufen???
Seit doch einmal ehrlich zu euch selbst! Wer in einem Unternehmen arbeitet, welches sehr auf den Kontakt zu Menschen angeweisen ist und zwar Face to Face, muss einfach darauf achten, dass er ordentlich angezogen ist. Und wenn der Konzern sagt, wir haben diesen und jenen Standart muss das akzeptiert werden. Ihre Kunden erwarten schließlich den Standart von den Mitarbeitern! Uns würde es auch nicht gefallen, wenn eine Verkäuferin im Supermarkt in einem Bärenkostüm hinter der Kasse sitzen würde. Ist vielleicht ein seltsames Beispiel, aber das gleiche Prinzip!
Zu Soulmaus,
ich denke dieses Unternehmen oder generell Unternehmen die das so handhaben denen passiert es gar nicht dumme Leute einzustellen bzw. Leute einzustellen die nur Mist daherreden. Die suchen sich die schon nach Qualität aus und schreiben denen dann halt vor wie sie sich zu verhalten haben. Natürlich auch quasi wie sie sich zu kleiden haben.
Dazu habe ich folgenden Text gefunden:
"Die richtige Kleidung für Ihren Erfolg!
Eine Studie von IBM zeigt auf, dass beruflicher Erfolg nur zu 10% aus Fachwissen resultiert. Viel entscheidender für den beruflichen Erfolg sind das Image (30%) und der Bekanntheitsgrad (60%). Das bedeutet, 90 Prozent des beruflichen Erfolges beruht auf der eigenen Persönlichkeit bzw. auf der Selbstdarstellung.
Das Erscheinungsbild ist also massgebend. Je nach Unternehmensphilosophie, Branche und den eigenen Vorlieben reicht das Spektrum der akzeptablen Business-Kleidung von klassisch-konservativ, über modern und extravagant bis hin zu dezenten Casual Wear. Jedoch ist dieses Spektrum erstaunlich eng gefasst, Casual Wear ist in vielen Unternehmen bestenfalls freitags gestattet. Jeans, auch Edelmarken, gehören in vielen Branchen nicht ins Geschäftsleben. T-Shirts und Spaghettiträger ebenfalls nicht."
Soviel zu "Kompetenz" und "Intelligenz" ;-)
So ist das nun Mal. Du kommst hier nicht rein, so nach dem Motto. Bei diversen Trend-Discos in den Großstädten ist das ja ähnlich. Wenn sich die Proll-Masse in HouseClubs rumtreiben, dann kommt man da mit Punk- oder Grunge-Klamotten auch nicht rein. Da zählt viel Haut und sexy sexy sexy. Traurig aber wahr. Das ist halt die alt-bekannte "Gesichts"kontrolle. Dennoch denke ich, dass Kompetenz und Intelligenz bei solchen Jobs mehr zählen als nur das Aussehen. Wenn du einen Dummen gut angezogenen Vertreter vor dir stehen hast, der die ganze Zeit nur Mist daherredet, würde sich jeder Kunde abwenden. Wenn jedoch ein redebegabter und freundlicher Mensch vor dem Kunden steht, der vielleicht das "falsche" Hemd anhat, aber mit Argumenten glänzt, wird über eine Klamotte sicherlich schnell hinweg gesehen. Das ist ganz klar von Fall zu Fall individuell zu beurteilen. Und so schlimm, wie Kerkhoff das beschreibt, finde ich das alles gar nicht.
ich weiß nciht jenachdem wie man das ding auslegt könnte man damit sogar durchkommen. Wenn man es zum Beispiel als Verinbarung und nicht als bindenden vertrag benennt ist das sicherlich rechtsmäßig ok.
Man möchte wahrscheinlich auch einen Chirurgen nicht mit Dreadlocks sehen. Da könnten ja Läuse drin sein, übertrieben gesagt. Zu vielen Berufszweigen gibt es halt eine Berufskleidung. Bei dem einen ist es zwingend erforderlich. Bei dem anderen weniger.
scheint wohl euch wirklich zu überfordern. ich finds relativ normal.
LOL
Gezwungen ist aber auch blöde ausgedrückt. bleibt doch jedem frei zu gehen oder zu akzeptieren.
Anwälte laufen aber auch meist in Anzügen rum.
Würde mich ebenfalls interessieren, was ein Anwalt dazu sagen würde. Nur just for info.
Anscheinend schon.
Ja finde ich auch. Ein Vertrag ist echt übertrieben.
Also wenn man diesen Vertrag einem Rechtsanwalt geben würde und der ihn prüft, da würde er sicherlich ziemlich viele unsichere Stellen finden. So wie das Ding aufgebaut ist und was einem da quasi vorgeschrieben wird, das kann nicht rechtens sein.