Studie nährt Zweifel an freiem Willen
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Dass eine Entscheidung feststeht, bevor wir uns entscheiden, können nur Menschen behaupten, die von der sog. Volitions- oder Willens- bzw. Handlungspsychologie nicht einmal elementare Einzelheiten kennen. Aber es ist meinem Eindruck nach sogar noch schlimmer: seit Benjamin Libet werden von Hirnforschern anscheinend nicht einmal elementare physiologische Forschungsergebnisse berücksichtigt!
Kornhuber und Deecke, die "Entdecker" des bei Willensexperimenten benutzten "Bereitschaftspotentials", bezogen dies schon ihrer Begriffsbildung nach auf die "motorische" Bereitschaft körperlich mit einer Bewegung zu reagieren oder zu handeln, niemals aber, soweit ich weiß, auf Willensphänomene, vor allem nicht auf Entscheidungsakte! Seit Libet hat anscheinend eine schlichte Umdeutung oder - wie es scheint - sogar noch banaler: eine simple Umbenennung des "motorischen Bereitschaftspotentials" in ein Willenäquivalent stattgefunden!
Das scheint den (von noch ahnungsloseren Sensationsjournalisten in den letzten Jahren sensationslüstern aufgegriffenen und massenhaft verbreiteten) Behauptungen über unsere angebliche Festgelegtheit durch Hirnverschaltungen (Singer 2004 in der FAZ), Determiniertheit durchs Gehirn (Roth, Markowitsch) oder die angebl. "Illusion des Freien Willens" (Prinz) zugrunde zu liegen: Kornhuber hat die Verhältnisse - leider in einem psychiatrischen Fachblatt ("Fortschritte der Neurologie und Psychiatrie" 2006: 74, 427-430) und damit nicht sehr öffentlichkeitswirksam - klar und umfassend dargestellt: mir ist bis heute nich bekannt geworden, dass diese Stellungnahme auch nur von einem einzigen Journalisten jemals aufgegriffen und bekannt gemacht wurde. Im Gegenteil: in 3sat wurde vor kurzem im Rahmen des "Themenschwerpunkts zum 150. Geburtstag Max Plancks" m.d.T. "Quantensprünge" am 10. April 2008 der bisherige geballte Unsinn wieder einmal, und zwar fast komplett in der Sendung m.d.T. präsentiert: "Wer ist 'Ich'? Entsteht ein neues Menschenbild?"
Aus psychologischer Perspektive sieht es so aus, als sei die Studie schlicht wertlos! - 1. Vorausgesetzt, der Bericht des SPIEGEL gibt alle wesentlichen Elemente der Studie an, ist festzustellen, dass die Probanden anscheinend nicht genau exploriert, dh. zu dem befragt wurden, was sie in all den Minuten und Sekunden im Scanner so alles gedacht haben. Jeder weiss doch, was sogar in Sekundenschnelle alles bedacht werden kann! 2. Noch wichtiger jedoch: jeder weiss auch - nur die Forscher scheinen nicht daran gedacht zu haben -, dass Handlungen gewöhnlich mehr oder weniger gründlich überlegt werden, dabei Abwägungen erfolgen, vielleicht Vorentscheidungen getroffen werden, das Vorgehen geplant werden kann und dann auch noch bestimmt werden muss, was im Einzelnen und zu welchem Zeitpunkt durchgeführt werden soll oder muss usw. usf. - Mit der linken Hand den genannten Knopf zu drücken, kann nicht nur sekunden-, sondern sogar minutenlang vor dem tatsächlichen Drücken entschieden werden, die Durchführung des Entschlusses völlig beliebig gehandhabt oder an weitere Gesichtspunkte oder Umstände gebunden werden (im Experiment vielleicht ein spielerisches Festlegen darauf, dies beim Auftauchen eine 'M' zu tun oder 'beim Beginn nächsten Einatmens'...) - 3. Mindestens so unklar ist - zumindest nach dem Bericht -, was die Forscher als hirnphysiologisches "Äquvalent" für eine Entscheidung festgelegt oder auch nur subjektiv 'angesehen' haben! Mit 'wollen' meinen wir normalerweise gar nicht eine Entscheidung, sondern ein dann irgendwann folgendes Tun, das wegen einer irgendwann getroffenen Entscheidung begonnen wird und dazu dient, diese "in die Tat" umzusetzen. (Deswegen kann auf Nachfragen der Art wie 'Was soll das? Was bezweckst Du? Was beabsichtigst Du?' u.ä. gesagt werden, ich WILL das oder jenes erreichen. Man kann sogar wollen, was man gar nicht selbst durchführen kann: "den letzten Wille", nämlich die Festlegungen in einem Testament haben ganz andere Menschen umzusetzen!)
völlig richtig!
Eine Studie mit einer Trefferquote von 60% ist doch signifikanter Unsinn. Wenn ein Wissenschaftler so etwas auch noch veröffentlich, macht er sich in der Öffentlichkeit und bei seinen Kollegen lächerlich.
Fazit: Ein toller Akt von Selbstdarstellung !
Da magst du wohl recht haben!
Der freie Wille geht bis zur nächsten Werbepause! Oder bis zur nächsten Gehirnwäsche unserer Sklaventreiber!
Das ist schon eine faszinierende sache! aber besonders schlimm oder beängstigend finde ich das jetzt nicht!
wow interessante forschung, allerdings ist der wille des menschen doch immer nur frei. diese studie belegt doch nur, dass die entscheidung erst unbewusst getroffen wird und dann erst ein paar sekunden später bewusst wird. aber das heißt ja nicht gleichzeitig, dass die entscheidung eine gezwungene ist.
Ich muss sagen das nenne ich mal eine sehr interessante und auch eine sehr überraschende Studie. Wenn sich das verhärtet ist das natürlich irgendwo ein ungutes Gefühl, wenn man in einem Moment eine Entscheidung trifft und dann über diese Studie nachdenkt, fühlt man sich schon etwas merkwürdig, weil die Entscheidung ja eigentlich schon feststand.