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Artikel art.cologne – Keine Ahnung haben aber trotzdem hingehen

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art.cologne – Keine Ahnung haben aber trotzdem hingehen

Heute bin ich mal auf die Art Cologne gegangen, weil ich eine Eintrittskarte geschenkt bekommen habe, die ich nicht verfallen lassen wollte. Kunstausstellungen sind eine gute Möglichkeit, mal etwas Anderes in sein Hirn zu lassen. Alltag ausschalten. Kopf einschalten für neue Eindrücke.
Da ich nun mal so gar keine Ahnung von Kunst habe, habe ich mich von meinen Augen leiten lassen. Quasi alles was interessant und cool aussah, hat mich von der einen Galerie zur nächsten gezogen. In einer Art offenen Ausstellung (Open Space) konnte man verschiedene Bilder und Skulpturen betrachten, die von unterschiedlichen Galerien stammen. Das war von den Veranstaltern wohl auch mit Absicht so konstruiert.

Was gibt’s dort zu sehen?



  • Leni Riefenstahl



Ich beschreib Euch einfach das, was meine Aufmerksamkeit besonders erregt hat.
Kommen wir zu zwei Fotos von Leni Riefenstahl, die ich sogar kannte. Bei diesen Drucken handelt es sich um limitierte Auflagen, die von Leni signiert wurden. Die Fotos stammen aus der Serie „Village square of Kau“. Die Bilder stammen von ihren Reisen nach Afrika, besonders aus dem Sudan, wo sie im Menschen vom Nuba-Stamm fotografierte und filmte, ihre Sprache lernte und sogar Freunde fand. Der Kaufpreis des Drucks mit dem Nuba-Mädchen Jamila belief sich bei 24.800,- Euro. Nettes Sümmchen, das ich leider nicht auf Tasche hatte.



  • Tony Morgan



Irgendwie schmerzten meine Füße schon und ich fand in der Sonderschau des Zentralarchivs des internationalen Kunsthandels (ZADIK) ein freies Sitzplätzchen und könnte mir ein Video von Tony Morgan mit dem Kunstprojekt „Description“ (von 1970) anschauen. Die Vorführung dauerte ca. neun Minuten. In diesem schwarz-weißem Video sollten Frauen Männer beschreiben, die neben ihnen stehen. Die Männer hielten allerdings ihren Mund und starrten in die Kamera. Allerdings kannten die Personen sich teilweise nicht oder sie kannten sich jahrelang. Größtenteils wurden die Männer in der englischen Sprache beschrieben. Aber auch die deutsche Sprache befand sich darunter. Für einige Frauen war es teilweise wirklich sehr schwer, ihren Ehemann zu beschreiben, mit dem sie seit mehreren Jahren zusammen leben. Ein sehr witziges Projekt, aber auch eins, das zum Nachdenken anregt.



  • Es riecht nach kaltem Kaffee



Als ich meine Blicke durch die Galerien schweifen ließ, fiel mir auf einmal auf, dass es doch sehr streng nach altem und kaltem Kaffee müffelt. Kaum gedacht, kam ich an einer sehr seltsamen Raumkonstruktion vorbei. Drei Wände waren zusammenmontiert und komplett weiß gestrichen. Der Teppich war weiß. Ein weißer Sessel stand darin und der Ikea-Tisch (?) war auch weiß. Drei Töpfe Vaseline standen dort und eine schmutzige Kaffeemaschine. Alles war mit Kaffee zugespritzt und an den Wänden konnte man etwas Handgeschriebenes sehen. Alle drei Wände waren komplett mit Worten und Sätzen und Satzfetzen beschrieben.


Da dachte ich mir: „Oh, was ist das denn für ein Scheiß“. Ja, das dachte ich. Aber in der Ecke sah ich dann Personen, die sich wohl irgendetwas anschauten. Ich lugte um die Ecke und sah einen TFT-Monitor an der Wand, auf dem ein Video zu sehen war, das diese Raumkonstruktion erläuterte. Ich setzte mich also dann hin und sah mir das Video an. Dort konnte man sehen, wie es zu dem kalten Kaffeeduft kam. Eine Frau in einem hellblauen Minikleid und schwarzen Stiefeln rührte Kaffee an in einem riesigen Bottich. Als sie fertig war schöpfte sie mit einer kleinen Tasse Kaffee ab und kippte den Kaffee langsam über den Boden und über die Wand. Zwischendrin konnte man sehen, wie sie mit der Vaseline Sätze an die Wände schrieb, die erst sichtbar wurden, als der Kaffee darüber lief.


Später sprach sie in Deutsch: „Ich spreche in Namen aller türkischen Frauen, die in die Zwangsehe gehen. Für alle, die sich dafür entscheiden oder nicht entscheiden können. Kämpft dagegen, auch wenn es hart ist.“ So ähnlich waren ihre Worte. Der Kaffee stand wohl als Symbol der türkischen Kultur und die Sätze an der Wand bestätigten dies. Frauen kochen Kaffee und servieren es. Nur wer gut rührt und gut serviert, kann eine heiratsfähige Frau werden… Die wohl geilste Kunstperformance auf der Art Cologne 2008… Es lohnt sich vorbei zu schauen. Man kommt aus dem Denken nicht mehr raus…

Ich konnte sehr viele neue Eindrücke mitnehmen. Vieles war nicht selbsterklärend. Kann es auch nicht, weil es eben Kunst ist. Antworten sollte man gar nicht versuchen zu finden. Es sollte eher Fragen aufwerfen, die man sich im Laufe seines Lebens beantworten kann oder auch nicht. Viel Spaß auf der Art Cologne!


3 Kommentare

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Kommentare zu art.cologne – Keine Ahnung haben aber trotzdem hingehen

 

verlinktverlinktam 18.04.08


Wenn ich mir so die Bilder anschaue, dann kann ich nur sagen, dass ich neugierig geworden bin. Wenn ich dann noch deinen Text lese, muss ich mich wohl noch Köln auf diese Ausstellung begeben. Ist zwar etwas abgefahren, aber das hat Kunst ja so an sich.

k_orthk_ortham 17.04.08


einige sachen sind echt gut, aber andere wiederum total unsinnig. erst letztens war doch eine schlagzeile, dass ein hund verhungert ist, als ein künstler ihn als ausstellungsstück benutzte. jeder hat zugeschaut, niemand hat etwas getan. das soll kunst sein? seit dem vorfall stehe ich kunst nicht mehr so rosig gegenüber!

RoterBlitzRoterBlitzam 17.04.08


ich habe gehört, dass die diesjährige art cologne sehr gut sein soll. nach dem bericht zu folge bin ich jetzt erst recht neugierig geworden!!!!!!!!solange die kunst nicht zu sehr abgedreht ist, seh ich mir sowas echt gerne an.


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