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Artikel Teenager-Schwangerschaften häufen sich

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Teenager-Schwangerschaften häufen sich

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Mehr als 7000
minderjährige Mädchen brachten im Jahr 2000 in Deutschland
ein Baby zur Welt - rund 45 Prozent mehr als 1998. Bei den unter
14-Jährigen verdoppelte sich im gleichen Zeitraum die Zahl der
Mütter von 77 auf 161. Dramatisch stieg zudem die Zahl der
Schwangerschaftsabbrüche bei Teenagern: Allein von 2000 auf 2001
wuchs sie um ein Fünftel von 5763 auf 6909. Ebenfalls um 20
Prozent nahmen die Abbrüche bei Mädchen unter 14 Jahren zu -
von 574 auf 696.


Den alarmierenden Trend erhärten Zahlen
des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden:
Schwangerschaftsabbrüche bei Mädchen unter 15 Jahren stiegen
von 1996 bis 2001 um 90 Prozent.


Flucht in die Sexualität


In dieser Woche brachte eine Zwölfjährige in Hamburg ein Baby
zur Welt. Die Zahl junger Mütter ist stark gestiegen und oft sind
es Mädchen mit geringer Bildung, die sich aus Angst vor der
Zukunft nach einer eigenen Familie sehnen.


Das Baby ist süß und gesund, und es
hat noch keinen Namen. Gemeinsam mit Mama Patricia, der mit zwölf
Jahren jüngsten Mutter Deutschlands, und dem mutmaßlichen
Kindsvater, dem 17 Jahre alten Kevin, ist das Neugeborene seit seiner
Geburt am Mittwoch ein öffentliches Thema, rückt es doch das
Problem „Teenager-Schwangerschaften“ ins Blickfeld.

Glücklich
sei das Paar über den Buben, heißt es offiziell, man wolle
das Kind, irgendwie, gemeinsam großziehen. Die Großmutter
soll dem Vernehmen nach weniger enthusiastisch sein; die Eltern von
Patricia leben getrennt, ihre 33-jährige Mutter hat selbst gerade
erst von ihrem neuen Lebensgefährten ein Kind bekommen. Der 34
Jahre alte Großvater, der aus Polen stammt, zeigt sich peinlich
überrascht.

Nur einen Tag nach der Geburt des Hamburger
Babys folgte dann eine Nachricht aus Brandenburg. Dort hat eine erst
16-Jährige heimlich ein Baby entbunden und in einen
Papiercontainer geworfen; das Kind ist tot, die Staatsanwaltschaft
ermittelt. Details sind bislang nicht bekannt.


Eie 14 Jährige aus Duisburg brachte ein Baby zu Welt.


Kind und Mutter geht es gut; der Vater ist unbekannt.


Trotz Verdacht blieb Schwangerschaft unbemerkt


Die
Fälle haben einiges gemein: Beide Schülerinnen kommen aus
einfachen Verhältnissen, beide verheimlichten die Schwangerschaft.
Und in beiden Fällen blieb die Schwangerschaft tatsächlich
unentdeckt – selbst wenn bei Patricia aus Hamburg offenbar sowohl
Eltern als auch Mitschüler und Lehrer einen starken Verdacht
hegten.

Teenager-Schwangerschaften beschäftigen seit
einigen Jahren die Forschung – nicht zuletzt, weil ihre Zahl seit
Mitte der neunziger Jahre steigt und Sexualforscher wie
Familienpolitiker nach Erklärungen sowie nach Gegenmitteln suchten.


Baby als „etwas Eigenes“

Die
Forschungsergebnisse, die Bundesfamilienministerium und Bundeszentrale
für gesundheitliche Aufklärung in jüngster Zeit
präsentiert haben, werfen ein deprimierendes Bild auf –
nein, nicht auf das Sexualverhalten von Jugendlichen, denn die Mehrheit
weiß, wie man verhütet.


ondern auf die soziale Schichtung, die bei besonders jungen
Müttern auffällig ist: In Sachsen etwa, wo die Zahl der
Teenager-Schwangerschaften über dem Bundesdurchschnitt liegt, ist
die Mehrheit der Mädchen oft ohne berufliche Perspektive.

Sabine
Wienholz, Soziologin an der Universität Leipzig, berichtet, dass
in Chemnitz unter den minderjährigen Müttern fast
ausschließlich Förder- und Hauptschülerinnen waren, die
von einer unerreichbaren Karriere träumten, aber keinen anderen
Weg als die Mutterschaft wussten, um sich Anerkennung und „etwas
Eigenes“ zu verschaffen.

Noch drastischer waren die Daten,
die Wienholz gemeinsam mit Kolleginnen in Leipzig erhob: Die
Wissenschaftlerinnen entdeckten unter den jugendlichen Müttern in
der sächsischen Großstadt ausschließlich Mädchen,
die auf eine Lernförderschule gingen. Ein Kind in jungen Jahren
werde oftmals unbewusst gewünscht, glaubt Wienholz, um
„Lebenskrisen zu bewältigen“.


Die große Mehrheit der Jugendlichen verhält sich beim
ersten Geschlechtsverkehr verantwortungsbewusst. 63 Prozent der
Mädchen und 65 Prozent der Jungen verhüten beim ersten Mal
mit Kondom und/oder 33/26 Prozent (Mädchen/Jungen) mit der Pille.
Mit zunehmender Geschlechtsverkehrerfahrung verbessert sich das
Verhütungsverhalten und die große Mehrheit der Jugendlichen
nutzt Verhütungsmittel. Obwohl im internationalen Vergleich die
Zahl der Teenager-Schwangerschaften in Deutschland auf einem niedrigen
Niveau liegt, ist hier seit Jahren ein gleichmäßiger Anstieg
von Teenager- Schwangerschaften zu beobachten.


Mädchen mit geringer Bildung treiben seltener ab

Zu
vergleichbaren Erkenntnissen ist auch eine Forschergruppe vom Institut
für Sexualforschung am Universitätskrankenhaus Eppendorf
(UKE) gekommen.

Die Ergebnisse der Studie zu ungewollten
Schwangerschaften bei unter 18-Jährigen, für die 1500
Mädchen befragt wurden, werden zwar erst Ende März
präsentiert, doch klar ist bereits: „Die soziale
Benachteiligung hat einen großen Einfluss auf die Entscheidung,
ob ein Teenager ein Kind bekommt“, sagt Silja Matthiesen vom UKE;
sozial benachteiligte Mädchen mit geringer Schulbildung
würden häufiger schwanger als andere – und entschieden
sich häufiger, das Kind nicht abzutreiben.

Institutsdirektor
Wolfgang Berner findet das „Besorgnis erregend“. Er sieht
eine „Flucht von Kindern in die Sexualität“ und
folgert aus den neuesten Erhebungen, dass gerade Jugendliche aus
problematischen Familiensituationen sich in den Traum einer
funktionierenden Beziehung mit Kind flüchteten. „Ich
gehöre nicht zu denen, die in solchen Fällen froh sind, dass
überhaupt Babys geboren werden.“

Praktisch
überhaupt keine Erkenntnisse gibt es bislang über
Teenager-Väter, die plötzlich mit einem Baby konfrontiert
sind. Immerhin hat eine Studie über junge Paare mit Kind
festgestellt, dass eine „unerwartet hohe Zahl“ von
Männern ihre schwangeren Freundinnen nicht verlasse und
Verantwortung übernehme. Insofern liegen Patricia und Kevin aus
Hamburg – vorerst – im Trend.


Die Bundeszentrale
für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sieht es als ihre
Aufgabe an, hier ihre Präventionsarbeit zu verstärken. Kinder
und Jugendliche müssen frühzeitig zu Fragen der
Sexualität informiert und aufgeklärt werden. „Davon
ausgehend, dass eine umfassende, lebensbegleitende
Sexualaufklärung die beste Prävention ist, hat die
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ein neues
Medienpaket für Beratungskräfte, Gynäkologen,
Gesundheitsämter und pädagogische Fachkräfte
entwickelt“, erklärt die Direktorin Dr. Elisabeth Pott.
„Wir stellen damit Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus
Beratungsstellen, Schulen und der Jugendarbeit eine Fülle an
Informationen zur Verfügung wie Studienergebnisse, Expertisen,
Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen, eine
Übersicht aller BZgA-Materialien zu Körperwissen und
Verhütung und ein neues Medium speziell für Mädchen. Mit
diesem neuen Medienpaket möchten wir alle Fachkräfte, die in
ihrer Arbeit mit dieser speziellen Problematik Minderjähriger
konfrontiert werden, unterstützen. Unser gemeinsames Ziel muss es
sein, so viele Schwangerschaftskonflikte, wie möglich, gerade im
Jugendalter zu vermeiden.“


Als Hauptgrund für die
Nichtverhütung geben Jugendliche in Repräsentativbefragungen
der BZgA an, dass die Situation des Geschlechtsverkehrs
‚völlig überraschend’ kam. So liegt der Anteil
derer, die beim ersten Mal nicht verhüten, bei den Mädchen
bei 12 und bei den Jungen bei 15 Prozent. Mit zunehmender sexueller
Erfahrung sinkt der Anteil derer, die nicht verhüten, auf 4
Prozent bei den Jungen und 3 Prozent bei den Mädchen. Eine
Sonderauswertung der Repräsentativerhebung
„Jugendsexualität 2001“ der BZgA weist darauf hin,
dass Jugendliche umso unregelmäßiger verhüten, je
jünger sie sind. Für die Aufklärungsarbeit heißt
das, dass Sexualaufklärung deutlich vor dem ersten
Geschlechtsverkehr beginnen muss.


Grundlage für die
Verhinderung von ungewollten Schwangerschaften, nicht nur bei
Minderjährigen, ist die Vermittlung von Wissen zu
Körpervorgängen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche
Aufklärung konzentriert sich seit vielen Jahren darauf,
Informationen zu Körperwissen und Verhütungsmitteln für
Endadressaten und für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zur
Verfügung zu stellen und zu verbreiten. Einen Schwerpunkt in der
Aufklärungsarbeit stellen dabei jüngere Jugendliche dar.


Zwar
leistet Sexualaufklärung einen unverzichtbaren Beitrag zur
Prävention von Teenager-Schwangerschaften, aber bis heute liegen
keine eindeutig gesicherten Erkenntnisse über die Gründe
vermehrter Schwangerschaften bei Minderjährigen vor. Psychosoziale
und sozioökonomische Faktoren spielen dabei genauso eine Rolle wie
Bildung und sozialer Status und das Wissen über Art und Handhabung
von Verhütungsmitteln. Noch zu selten werden
Teenager-Schwangerschaften in den Zusammenhang fehlender Berufs- und
Zukunftsperspektiven junger Mädchen gestellt. Die Bundeszentrale
für gesundheitliche Aufklärung will mit dem neuen Medienpaket
für Beratungskräfte in erster Linie der mangelnden
Verhütung Jugendlicher infolge mangelnden Wissens und der
Fehleinschätzung der Situation entgegen wirken. Sie weist aber
auch auf die Erkenntnisse über die Zusammenhänge mit der
sozialen Lage hin.


Das kann Helfen:


Beim BZgA kann ein Medienpaket bestellt werden


„Prävention von Schwangerschaften bei Minderjährigen“ beinhaltet:



  • 1.
    Stellungnahme der BZgA zu Teenager-Schwangerschaften in Deutschland,



  • 2.
    Häufig gestellte Fragen zum Thema Schwangerschaften
    Minderjähriger,



  • 3. Sonderdruck der aktuellen Materialliste,



  • 4.
    Heft 4/04 des Forum Sexualaufklärung „Jugendliche Schwangere
    und Mütter“,



  • 5. „Jules Tagebuch“ -
    Broschüre für junge Mädchen über die aufregende
    Zeit der Pubertät,



  • 6. Repräsentativerhebung
    Jugendsexualität 2001,



  • 7. Flyer zum Fachheft „Wenn Teenager
    Eltern werden ….“,



  • 8. Flyer zum Fachheft
    „Teenager-Schwangerschaften in Sachsen"


Das Medienpaket (Bestell-Nr. 13 050 000) richtet sich an Beratungskräfte und Fachpersonal und ist kostenlos unter folgender Adresse zu beziehen: Bundeszentrale
für gesundheitliche Aufklärung, 51101 Köln, Fax:
0221-8992257, e-mail: order@bzga.de



Quelle: BZgA, DPA; AOK; WDR;SZ



5 Kommentare

Kommentare zu Teenager-Schwangerschaften häufen sich

 

TitanicladyTitanicladyam 26.08.08


Esist traurig das es leider heute sowas noch gibt. Aber ich kann auch nicht die Eltern der Kindermütter versztehen haben sie nicht ihre Kinder aufgeklärt? Ich war damals bei erten mal aufgeklärt und ich hatte es auch nur mit Verhüterli getan. Aber wohl wissen viele es nicht und dabei leben wir nicht mehr im Mittelalter und wurden schon ab Ende 60 oder s70gern aufgeklärt und auch wie und womit man verhüten kann. Ich denke nicht das die Kindermama lange ihren Freund hat. Denn der macht sich höchstwahrscheinlich aus dem Staub. Was ich auch schlimm fürs Kind und Mutter finde. Aber abtreiben kommt nicht in Frage. Wozu gibt es denn Adoptionen oder Klappen? Abtreibung ist für mich Mord mfg Titaniclady

Jerryberlin2008Jerryberlin2008am 04.08.08


Zumal es ja auch Spaß macht ...

demotimodemotimoam 07.07.08


Und das Geschlechtsverkehr in der Regel kostenlos los ist. Aber gut, dass ist schon ein wenig gemein. Aber etwas Wahrheit steckt da mit Sicherheit drin.

NetstarNetstaram 07.07.08


ich glaube auch, dass es noch nicht einmal an der augklärung hängt, da hätte es in der vergangenheit eher mehr schwangerschaften bei minderjährigen geben müssen. es geht eher vielmehr darum sich in seine eigene welt zurückzuziehen. etwas zu haben, dass man liebt etc, weil man seine liebe von sonstwoher nicht bekommt.

danieladanielaam 07.07.08


Wer Hartz IV hat und davon nicht weg kommt der muss ja den ganzen Tag irgend etwas tun ...


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