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Artikel Duisburg-Rheinhausen wird ein starkes Stück Strukturwandel

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Duisburg-Rheinhausen wird ein starkes Stück Strukturwandel

Ursachen der Stahlkrise



Stahl
war schon immer ein konjunktur-abhängiges Geschäft. Doch die Stahlkrise
der 70er und 80er Jahre hat noch andere Ursachen. Begonnen hat sie
eigentlich schon früher, und sie hat nicht nur Deutschland betroffen,
sondern halb Europa und die USA. Einer der Gründe ist die wachsende
Konkurrenz, da immer mehr Länder in der Lage sind, Stahl herzustellen.
Dem können die westlichen Industrien nur entgegen treten, indem sie auf
mehr Qualität beim Stahl setzen und bessere Stahlwerke bauen. So lässt
sich mit immer weniger Arbeitern immer mehr und besserer Stahl
produzieren. Die Folge sind Fusionen und der Abbau von Arbeitsplätzen.

Die Weltwirtschaftskrise Anfang der 70er Jahre trifft die
Stahlindustrie deshalb doppelt stark. Die Produktion in der Eisen
produzierende Industrie bricht abrupt ein. Gleichzeitig aber wird immer
mehr Stahl produziert, was zu einem ruinösen Wettbewerb führt. Die
Schließung zahlreicher Stahlstandorte ist die Folge: Gelsenkirchen,
Oberhausen, Hattingen sind nur einige Namen im Ruhrgebiet. In den USA
ist es die Gegend um Pittsburgh, in der französischen Stadt Longwy
verlieren innerhalb weniger Jahre tausende von Stahlarbeitern ihre
Arbeitsplätze, in Belgien wird die schon von der Kohlekrise geschwächte
Walllonie zum "Armenhaus der Nation". Häufig sind es Gegenden, die erst
mit der Montanindustrie gewachsen sind und in jahrzehntelanger
Abhängigkeit von Kohle und Stahl leben. Geht hier ein Arbeitsplatz in
der Stahlindustrie verloren, sind zwei, drei andere gleich
mitgefährdet, denn auch die Zulieferer und die verarbeitende Industrie
ist von den Schließungen betroffen, und irgendwann auch der Bäcker oder
der Metzger, der seine kaufkräftigen Kunden verlier



Seit November 1987 kam es vermehrt zu Demonstrationen für die Erhaltung des Stahlstandortes Rheinhausen.


Der
30. November 1987: die Stahlkocher von Rheinhausen versammeln sich und
mit ihnen über 10.000 Menschen. Die meisten haben wenige Tage vorher
aus dem Fernsehen oder dem Radio erfahren, dass ihr Stahlwerk
geschlossen werden soll. Einer von ihnen, der Betriebsleiter Helmut
Laakmann, der seit zwanzig Jahren bei Krupp arbeitet, spricht aus, was
viele denken: "Leute - das Buch der Geschichte ist jetzt aufgeschlagen.
Und jetzt liegt es an uns, hier mal ein paar neue Seiten zu schreiben.
Lasst die Generationen, die nach uns kommen, nachlesen, wie man einen
Arbeitskampf führt und wie man diesen Vorstand in die Knie zwingt."
Über 5000 Arbeitsplätze sind gefährdet, und die Bewohner von
Rheinhausen wissen, dass weit mehr Menschen betroffen sein würden –
"wenn die Hütte stirbt, stirbt Rheinhausen", sagen sie.


Als sich dann die Pläne zum Stellenabbau auf weit mehr als 5.000
Arbeitsplätze erhöhten, legten aus Solidarität am 10.
Dezember 1987 etwa 100.000 Stahlarbeiter und Bergleute im ganzen
Ruhrgebiet ihre Arbeit nieder und mit Brücken- und
Straßensperren den Verkehr im westlichen Ruhrgebiet lahm.

Mit zahlreichen Protestaktionen wie Gottesdiensten, Mahnwachen,
Schüleraktionen, Rockkonzerten, der Besetzung der Rheinbrücke
von Duisburg nach Rheinhausen und einer Menschenkette durch das ganze
Ruhrgebiet wurde der Höhepunkt, aber auch der Schlusspunkt einer
Ära der montanindustriellen regionalen Solidarität erreicht.


Die Schließung des Werkes Rheinhausen wurde damit zum Synonym für
"Stahlkrise" und machte Duisburg-Rheinhausen in ganz Deutschland
bekannt. Die Protestaktionen konnten nicht mehr als einen Aufschub
bewirkten: Die Hochöfen des Werkes legte man erst 1989 und 1990 still.

Doch nicht nur die Bevölkerung in Rheinhausen unterstützt den
Arbeitskampf der Stahlkocher. Am 10. Dezember legen etwa 100.000
Arbeiter im ganzen Ruhrgebiet ihre Arbeit nieder und besetzen die
wichtigsten Verkehrsknotenpunkte zwischen Dortmund und Duisburg. Der
Kampf um das Stahlwerk Rheinhausen wird zu einem Symbol für die
Solidarität der Bevölkerung. Die Protestaktionen halten an, im Februar
bilden 80.000 Menschen eine Menschenkette, die von Rheinhausen bis zur
Westfalenhütte in Dortmund reicht. Nach über fünf Monaten endet der
Arbeitskampf. Mehr als einen Aufschub können die Aktionen nicht
bewirken: 1993 wird das Stahlwerk Duisburg-Rheinhausen endgültig
stillgelegt. Großzügige Vorruhestandsregelungen und
Arbeitsvermittlungen in andere Stahlwerke sorgen dafür, dass keiner der
alten "Kruppianer" arbeitslos wird. Ausbildungsplätze für ihre Kinder
und Enkel allerdings werden in Rheinhausen rar.



Trotz des jahrelangen, zum Teil spektakulären Kampfes um den Erhalt der
Arbeitsplätze wurde das zum damaligen Krupp-Hoesch-Konzern gehörende
Stahlwerk Duisburg-Rheinhausen am 14.08.1993 endgültig geschlossen.


Logport - Logistik und Transport soll helfen


Auf dem Gelände des ehemaligen Stahlwerks Rheinhausen haben sich
Logistik- und Transportfirmen angesiedelt - An den legendären Arbeitskampf von 1987 erinnert nichts mehr!


Der Strukturwandel trägt den Namen Logport und sollte nach der
Schließung des Stahlwerks Rheinhausen 3 000 bis 4 000 Arbeitsplätze in
der Logistik- und Transportbranche nach Rheinhausen bringen.


Rheinhausen ist heute ein Stadtteil, der massiv vom Strukturwandel des
Ruhrgebietes profitiert hat. Auf dem ehemaligen
Krupp-Hüttenwerksgelände wurde ein modernes Logistik-Center "Logport"
angelegt, neue Arbeitsplätze wurden geschaffen und neue Berufsfelder
generiert. Der wirtschaftliche Aufschwung, der seit Jahren in
Duisburg-Rheinhausen für Aufstieg und Entwicklung sorgte, fand
allerdings komplett ohne Medienbeteiligung statt. Gute Nachrichten sind
eben keine Nachrichten für die so genannte "Prime Time".


Also steckt immer noch das alte Bild vom Pott in den Köpfen der
Menschen. Immer noch ist das Revier das dreckige Schwerindustriegelände
an der Ruhr. Zwischen Hütten und Zechen leben Menschen zwischen
Kohlenstaub und Abgasen. Die Landschaft ist von Metall und unwirtlichen
Halden geprägt, Grünflächen findet man nur in den Schrebergärten der
Bergarbeiter und Arbeitslosen. Weitere Vorurteilen fallen einem spontan
ein, wenn man an Deutschlands Industriezentrum Nummer eins denkt.


In die Reihe der "haltlosen Vorurteile-Verbreiter" scheint sich nun
der WDR einzureihen.


Ausgerechnet der Haussender an Rhein und Ruhr, der
sich normalerweise durch eine vorurteilsfreie und gut recherchierte
Meinungsmache auszeichnet, bringt das Rheinhausener Fass zum
Überlaufen. Ein neuer Schmimanski-Tatort, der schon immer vom
kohleverschmierten Duisburg-Image lebte, bringt all die alten Meinungen
wieder auf den Tisch und hält die Vergangenheit hoch. Doch die
Rheinhausener sehen - beim Blick in den Spiegel - eine ganz andere Welt
und wünschen, dass das Bild, das der WDR ein fürs andere Mal zeichnet,
endlich durch eine realistische Sicht der Dinge ersetzt wird.


Logport – das ist bereits heute ein Synonym für erfolgreichen
Strukturwandel im Ruhrgebiet. Auf dem Gelände des ehemaligen
Krupp-Stahlwerks in Duisburg-Rheinhausen hat sich einer der
bedeutendsten Logistikstandorte Europas entwickelt. Die Größen der
internationalen Logistikbranche – New Wave Logistics, P & O Trans
European, die Rhenus Gruppe, Kühne & Nagel – sind alle in
Rheinhausen vertreten. Rund 1.500 Arbeitsplätze sind bereits geschaffen
worden – Tendenz steigend. Gelingen kann dies aber nur durch die
konsequente Nutzung und den Ausbau der gegebenen Standortvorteile in
Duisburg und auf der Logport-Fläche selbst.


Der Glanz des erfolgreichen Strukturwandels soll über Rheinhausen
blühen.


Die Zuschauer sollten sehen und erfahren, dass dort keineswegs
"Schicht im Schacht" ist. Das alte Bild von "Tothausen" soll endlich in
Vergessenheit geraten und das negative Klischee aufgegeben werden.


Heute erinnert in Rheinhausen fast nichts mehr an den Arbeitskampf.


Die
Belegschaft von Krupp Rheinhausen wurde nach und nach in andere
Stahlbetriebe der Region umgesetzt. An ihrer Stelle ist ein
Logistik-Zentrum (Logport) errichtet worden, in dem heute unter anderem
Container umgeschlagen werden; 2.500 Beschäftigte arbeiten hier.
Rheinhausen hat eine verhältnismäßig niedrige Arbeitslosenquote von
zuletzt 97 Prozent (Duisburg 14,47Prozent) und weist nicht die
Konzentration sozialer Probleme auf wie andere Viertel Duisburgs und
des Ruhrgebiets.


Sind damit die Visionen einer sterbenden Stadt und
Region, wie sie vor 20 Jahren die Menschen bewegten, widerlegt?


Ob das uns Rheinhauser hilft ist fraglich!


Es nur schade das kaum noch jemand über Krupp in Rheinhausen redet; obwohl viel Jahre dort gearbeitet haben.


Was wird aus Rheinhausen?


Wie wird es in 10 Jahren aussehn



1 Kommentar

Kommentare zu Duisburg-Rheinhausen wird ein starkes Stück Strukturwandel

 

jogi3jogi3am 26.07.08


Fehler Teufel hat sich eingeschlichen!!!
Falsch: Arbeitslosenquote von zuletzt 97 Prozent
Richtig: Arbeitslosenquote von zuletzt 9,7 Prozent


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