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Artikel Veranstaltungen zum Gedenktag an die Reichspogromnacht vor 70 Jahren

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Veranstaltungen zum Gedenktag an die Reichspogromnacht vor 70 Jahren

Vier Veranstaltungen zum Gedenktag an die Reichspogromnacht vor

Vier
Veranstaltungen zum Gedenktag an die Reichspogromnacht vor 70 Jahren


Aus
Anlass des 70. Gedenktages der Reichspogromnacht finden in
Wernigerode mehrere Veranstaltungen statt, die die Ereignisse vor
nunmehr 70 Jahren wieder in Erinnerung rufen. Der 09. November 1938
hat auch in Wernigerode Spuren hinterlassen. Jüdische Mitbürger
wurden wegen Ihrer Herkunft und Ihres Glaubens verfolgt, vertrieben
oder verhaftet, in Lagern gequält und ermordet. Es gab
Wernigeröder, die diesen Mitbürgern halfen, aber leider
viel mehr, die weg- und zusahen oder gar sich aktiv an deren
Verfolgung beteiligten. Nach 70 Jahren ist die Anzahl derer, die
diese Tage in Wernigerode bewusst wahr genommen haben schon gering
und wird immer kleiner. Umso wichtiger ist es heute, immer wieder an
diese Vorgänge zu erinnern und zu mahnen.


Die
Reichspogromnacht vor 70 Jahren zeigte erstmals in aller Schärfe
das wahre Gesicht  des Nationalsozialismus mit dem ihm
innewohnenden Rassenwahn und seine brutale Verfolgung von
Mitmenschen, die anders denken oder anders sind.


Wie
man das Überleben überlebt - Veranstaltung zu Imre Kertész
am 6. November um 9:30 Uhr im Frauenzentrum Wernigerode


„Wie
man das Überleben überlebt - Leben und Werk des ungarischen
Literaturnobelpreisträgers Imre Kertész“ ist Titel
einer Veranstaltung am
6. November
im
Frauenzentrum Wernigerode. Referent ist der Philosoph und Theologe
Wolfram Tschiche. Der Beginn ist um 9.30 Uhr. Die Veranstaltung ist
kostenlos. Interessenten sind herzlich eingeladen.


Imre
Kertész wurde am 1929 in Budapest geboren. Wegen seiner
jüdischen Abstammung wurde er als gerade fünfzehnjähriger
nach Auschwitz deportiert und im April 1945 aus dem KZ Buchenwald
befreit.


Seit
1953 lebt er in Budapest als freier Schriftsteller und Übersetzer.
1973 erschien dort sein Ausschwitz-Buch „Roman eines
Schicksallosen“, das damals kontrovers diskutiert wurde, denn es
beschrieb „die Befreiung aus dem Lager nicht als Befreiung.“ Für
sein schriftstellerisches Werk, das die zerbrechliche Erfahrung des
Einzelnen gegenüber der barbarischen Geschichte behauptet,
erhielt Imre Kertész 2002 den Nobelpreis für Literatur.
Weitere Informationen sind erhältlich im Frauenzentrum
Wernigerode, Oberpfarrkirchhof 14, oder telefonisch unter
03943-626012.


Szenische
Lesung: „Arzt hätte ich nicht werden dürfen


Am
7. November um 18 Uhr im großen Saal des Rathauses Wernigerode


Mit
der szenischen Lesung „Arzt hätte ich nicht werden dürfen“ am 7. November
bieten die Schauspieler Bernd Surholt und Rudolf Höhn ein Stück
deutsche Geschichte. Sie haben die Eichmann Protokolle für die
Bühne bearbeitet und eingerichtet. Adolf Eichmann, als
Organisator für die Transporte in die Vernichtungslager
zuständig, gilt als der Inbegriff des Schreibtischtäters
schlechthin.


Das
Stück basiert auf Tonbandaufzeichnungen der israelischen
Verhöroffiziere.


Eichmann,
1960 nach Israel entführt, dort vor ein Gericht gestellt und
zwei Jahre später hingerichtet, weist in seinen Rechtfertigungen
jede Mitverantwortung von sich.


„Das
sind keine persönlichen Entscheidungen gewesen. Wäre ich
nicht dort gewesen, irgendjemand anderer hätte genau dieselben
Entscheidungen treffen müssen, auf Grund der vorliegenden
Weisungen, Verordnungen und Erlasse….“


Ein
Tisch zwei Stühle – sonst nichts. Zwei Männer, dunkle
Hosen, weiße Hemden, keine Kostüme, keine Schminke, kein
Schnickschnack. Was sie lesen und spielen ist eine Symphonie des
Grauens: Der amtlich verordnete und bürokratisch durchgeführte
Massenmord an den europäischen Juden durch die
Nationalsozialisten.


Umrahmt
wird der szenische Vortrag durch Musik aus dem Spielfilm „Schindlers
Liste“, dargeboten vom Ballorchester Julia Graeber. Die
Veranstaltung beginnt um 18:00 Uhr. Der Eintritt ist frei.


Kind
unbekannter Herkunft“ – Buchpräsentation am 7. November um
19:30 Uhr in der Aula des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums


Die
Vorstellung des Buches: „Kind unbekannter Herkunft“
ist ein Gemeinschaftsprojekt des
Vereins „Lebensspuren e.V.“ mit dem Wißner-Verlag. In der
Biografie wird das Bild eines Mannes  gezeichnet, der im fünften
Jahrzehnt seines Lebens erfuhr, dass er nicht nur adoptiert worden
war sondern dass er durch den Lebensborn ohne Einwilligung der Mutter
nach Deutschland verschleppt wurde. Er erfuhr von der wahren
Identität der Mutter, die als Norwegerin mit einem Deutschen
während des 2.Weltkrieges eine Beziehung hatte. Nach dem Kriege
kam er in eine Adoptivfamilie, eine Familie aus Bayern.


Bis
1992 wusste Hannes nichts von seiner wahren Herkunft. Nach Kenntnis
dieser Tatsachen wurden die Behörden tätig; ihm wurde die
deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt und er wurde suspendiert.
Niemand fragte nach den Gefühlen, die Hannes haben musste, als
man ihn nach mehr als drei Jahrzehnten aus dem Staatsdienst entließ,
nur weil er jetzt bekannt wurde, dass seine Mutter Norwegerin war.
Der Weg zur Rehabilitation war ein langer entbehrungsreicher Weg. Bis
zu seinem Tode im Mai dieses Jahres wurde diese Rehabilitation nicht
zum Ende gebracht.


Diese
Biografie lässt einen Blick in die Gefühlswelt eines Mannes
zu, der mit der für ihn neuen Situation, ein für den
Rassegedanken der SS verschlepptes Kind zu sein, klar kommen und
zugleich um seine und die Existenz seiner Familie kämpfen
musste.


Lediglich
der Rückhalt in seiner Familie sowie die Aufnahme durch die in
Norwegen gefundenen Cousins gaben ihm den nötigen Rückhalt.


Hannes
brachte sich in besonderer Weise in die Gemeinschaft der
„Lebensborn“-Kinder ein, war Mitbegründer des Vereins
„Lebensspuren e.V. und dessen erster Vorstandsvorsitzender.


Der
„Lebensborn e.V.“ als der Verein für die Geburt und
Förderung von erwünschten Kindern arischer oder deutscher
Rasse war der Gegenpol zur gezielten Vernichtung des nach den
Nürnberger (Rasse)Gesetzen eingestuften „unwerten Lebens“
und somit des Holocaust. Dies für die nachfolgenden Generationen
wach zu halten sowie den anderen „Lebensborn“-Kindern bei ihrer
Identitätssuche und -bewältigung zu helfen, waren
Dollingers Anspruch. Der Verein „Lebensspuren e.V.“ wird dieses
Vermächtnis fortsetzen.


Ökumenischer
Gottesdienst am 9. November in der Johanniskirche


„Die
sogenannte Reichskristallnacht hat in Wernigerode nicht
stattgefunden“, meint der eine oder andere Historiker. Was hat sich
wirklich ereignet in jener Nacht vom 9. zum 10. November 1938?
Tatsache ist, dass aus Anlass der Ermordung des deutschen
Legationsrates vom Rath durch den jüdischen Jugendlichen
Herschel Grynszpan in Paris in Deutschland ein furchtbarer Pogrom
stattfand: Synagogen wurden zerstört, Heilige Schriften
verbrannt, zahlreiche Geschäfte und Arztpraxen zerstört,
Männer und Frauen verhaftet und in KZ verschleppt oder gar
getötet.


Eine
„Erfolgsmeldung“ der Wernigeröder Polizei um 5.20 Uhr am
Morgen des 10. November 1938 sagt, das „alle reichsdeutschen Juden“
verhaftet worden seien, unter ihnen auch Pfarrer Bruno Benfey aus
Göttingen, der in Wernigerode Zuflucht gefunden hatte. Er war -
weil jüdischer Abstimmung - seines Amtes enthoben worden.


Jene
„Reichskristallnacht“ - so genannt, weil ja „nur“ ein wenig
Glas kaputt gegangen sei - war der Anfang vom Ende der Verfolgung
jüdischer Mitbürger, die schließlich in den
Gaskammern endete.


Fensterscheiben
von Geschäftshäusern jüdischer Inhaber gingen in
Wernigerode bereits im Oktober zu Bruch. Ist in jener Nacht wirklich
nichts weiter passiert? Haben Menschen weggesehen oder gar
zugestimmt? Fehlte es an Zivilcourage oder ging auch die Angst um?
Ist es manchmal wie heute: Da mische ich mich nicht ein?


In
diesem Jahr fällt der 9. November auf einen Sonntag. Der
Arbeitskreis der Christlichen Kirchen in Wernigerode lädt zu
einem Ökumenischen
Gottesdienst ein um 10.00 Uhr in der Johanniskirche
.
In ihm soll der jüdischen Mitbürger gedacht werden, die vor
70 Jahren unter uns gelebt haben. Schuld und Versagen soll ebenso zur
Sprache kommen wie Vergebung und Hoffnung. Die evangelischen,
katholischen und freikirchlichen Gemeinden werden diesen Gottesdienst
gemeinsam durchführen und gestalten. Die evangelischen
Innenstadtgemeinden eröffnen mit diesem Gedenkgottesdienst an
die Wiederkehr des 70. Jahrestages der Reichspogromnacht zugleich die
diesjährige Friedensdekade.


(Peter
Lehmann, i. A. des Ökumenischen Arbeitskreises der Kirchen in
Wernigerode)


 


Dokumentation
zur Geschichte der Juden in Wernigerode


Am
9. November um 17 Uhr in der Mahn- und Gedenkstätte
Veckenstedter Weg


Ab
17:00 Uhr wird am 9. November in der Mahn- und Gedenkstätte am
Veckenstedter Weg eine filmische
Dokumentation zur Geschichte der Juden in Wernigerode
gezeigt. Unter der fachlicher Anleitung und Begleitung durch Renate
Goetz haben sich mit Unterstützung des Offenen Kanals Schüler
aus den drei Wernigeröder Gymnasien mit den damaligen Vorgängen
beschäftigt und recherchiert. In filmischen Szenen, mit
Interviews und mit Dokumenten der Ereignisse und Folgen werden das
Leiden der Wernigeröder Juden aufgezeigt. Dieser Film ist das
Ergebnis eines mehrmonatigen Projektes, welches von März bis
Oktober realisiert wurde. Die Dauer des Filmes beträgt etwa 45
Minuten. Voraussichtlich am 27.01.2009 wird es eine Aufführung
für Jugendliche in der Hochschule Harz geben.


 



2 Kommentare

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Kommentare zu Veranstaltungen zum Gedenktag an die Reichspogromnacht vor 70 Jahren

 

derruhigederruhigeam 03.02.09


Ich glaube nun muss mal schluss sein mit diesen Gedenktagen
zum Wohlwollen der Juden.Es gibt sicher wichtigere Feiern
die Erinnerungen in uns aufrufen sollten.Diese Scenarien
jedes Jahr finde ich schon albern nach 70 jahren einfach
out.

PressforlessPressforlessam 27.10.08


Ob solche Gedenkfeiern noch in anderen Städten abgehalten werden? Hab bislang nichts gehört, aber ist eine gute Sache, leider ein trauriges Jubiläum.


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