Webdesigner 2.0: Zeit der Autodidakten ist vorbei
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Das stimmt auf garkeinen Fall pauschal, denn die grundlegenden Theorien der Typographie oder der Ästhetik haben nichts mit der Technik am Rechner zutun, sondern eher mit klassischer Bildung.
Was alle das könnten, was Bodoni oder Knuth vorgemacht haben, dann hätten wir heute Webseiten, die man lesen kann, und die einem nicht mit irgendwelchem Flash-Terror nerven.
Frag' deine Schüler mal, was Ligaturen sind, oder Serifen, oder was der goldene Schnitt ist, und wieviele Schnitte auf eine gute Seite dürfen. Sie werden nichtmal wissen, was ein Schriftschnitt ist.
Und genau deshalb sehen Seiten auf den entsprechenden Portalen auch so aus.
Heutzutage ist es mehr denn je so, dass die Schüler den LEHRERN was beibringen im Bereich Webdesign. So schnell wie die Entwicklung ist, kommt kaum ein Lehrer und kein Lehrbuch mit. Im Grunde sollte man froh über die Autodidakten sein. Wenn alle nur das könnten, was Uni und Berufsschule können, dann sähe das Web ganz schön alt aus.
Wir sind in Deutschland, und in Deutschland zählen Papiere, nicht Leistung. Nach dem Krieg haben die Amerikaner zuerst den Kammerzwang aufgehoben, und nach 1949 die Deutschen den schnellstens wieder eingeführt. D.h., in so kritischen und gefährlichen Berufen wie der Fotografie muß man "Meister" sein, um sich selbstständig machen zu dürfen, und die Handwerkskammer sind dabei Richter und Gutachter zugleich - und als AÖR muß sogar die Polizei "Amtshilfe" leisten. Deshalb gibt es ja auch diese komischen Ausbildungsberufe in der EDV, und den Web-Designer wird man auch noch trockenlegen.
Interessant ist übrigens, wenn man sich die Durchfallquoten bei externen Prüflingen dieser berufe angeguckt. Bei entsprechender Erfahrung können die Ausbildungsgänge abgekürzt werden, nur fallen dann eben alle durch. Unter der Hand erfährt man, daß man sonst den "Wert" der Ausbildung und Prüfung untergräbt, wenn jemand besteht, der nicht "gelernt" hat.
Das hätten die Herren, die sich als die scheinbar Oberen formiert haben, wohl gerne. Einst selber Autodidakt, aber dem Nachwuchs direkt ein "ihr könnt nichts als Autodidakt" als Stempel aufdrücken. Typisch deutsches Neiddenken.
Im Webdesign gilt wie in der gesamten Werbebranche: Es zählt nur das, was du aufm Kasten hast. Es gibt auch heute noch Autodidakten, die den Gelernten was vormachen und unter den Gelernten sind auch viele Pfeifen. Allein an Abschlüssen kann man sowas nicht festmachen.