Artikel 95 Jahre Heinz Gengler
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Heute feiert Heinz Gengler seinen 95. Geburtstag. Die Intermusik, die größte Zeitung für Harmonika-Kultur und -Musik, hat
ihm als Pionier und Urgestein der Harmonika-Bewegung einen ausführlichen
Artikel in der Januar-Ausgabe auf Seite 2 gewidmet. Ich meine, dass er auch in
der Kölner Lokalpresse gewürdigt werden sollte, denn seit 1935, das heißt seit
fast 75 Jahren, liegt das Zentrum seines kulturellen Schaffens in Köln. Deshalb
dieser Beitrag.
Eine Würdigung ist allerdings gar
nicht so einfach, ist er doch fast der einzige noch lebende Zeitzeuge, der die
Akkordeonisten der „historischen Ära“ noch alle persönlich gekannt hat –
vielleicht sagen dem Leser noch einige dieser Namen etwas: Hugo Herrmann, Rudolf
Würthner, Curt Mahr, Hermann Schittenhelm, Hans Rauch, Albert Vossen, Will Glahé,
Willi Gräf und Hubert Deuringer. Ich hoffe aber, dass meine Erinnerungen an
diverse Kontakte mit ihm ein charakteristisches Bild zeichnen.
Deutscher Harmonika-Verband und seine Medien
Mein erster Kontakt mit Heinz
Gengler war 1966, allerdings noch nicht persönlich. Ich wurde aktive Spielerin
im Akkordeon-Orchester Wesseling,
und unser Verein wurde Mitglied im Deutschen
Harmonika-Verband (DHV) Trossingen,
wo auch der Sitz der Firma Hohner war. Sein Name stand unter unzähligen Veröffentlichungen in der
Verbandszeitschrift Harmonika-Revue,
heute heißt sie „Harmonika International“.
Diese erörterten Fragen aus verschiedenen Themenbereichen wie Musikunterricht, Akkordeonliteratur,
Konzertgestaltung, Veranstaltungen und Wettbewerbe …
Unser Orchester nahm bald an
Wertungsspielen des DHV teil, zum Beispiel am „Tag der Harmonika“ 1967 in
Karlsruhe oder 1970 in Freiburg. Und schon in der Vorbereitung tauchte der Name
Heinz Gengler auf, z.B. unter der Wertungsspielordnung für Orchester oder als Verantwortlicher für die Einstufungslisten, in denen die Akkordeon-Literatur nach
technischem Schwierigkeitsgrad und künstlerischem Anspruch in verschiedene
Kategorien eingeteilt wird – von der Elementarstufe über Haupt- und Oberstufe bis
zur Kunststufe, die heute Höchststufe heißt. Wir waren damals stolz, dass wir als
1965 gegründetes Jugendorchester schon Werke der Hauptstufe erfolgreich
präsentieren konnten. Aus Freiburg konnten wir sogar einen Pokal und eine
Urkunde mit dem Prädikat „sehr gut“ nach Hause mitbringen.
Erstes Kölner Akkordeon-Orchester
1973 nahm unser Orchester am
„Internationalen Akkordeon-Festival“ in Bonn teil, jetzt in der Kategorie
Hauptstufe Senioren, denn die meisten Mitglieder waren inzwischen über 18 Jahre.
Wir freuten uns sehr, dass wir das Prädikat „ausgezeichnet“ erringen konnten
und damit bestes Orchester Nordrhein-Westfalens dieser Kategorie wurden. Im
Wettbewerb der Kunststufe habe ich dann das erste Mal das Erste Kölner Akkordeon-Orchester 1935 (EKAO) unter Leitung von
Heinz Gengler gehört. Wir waren begeistert von der Darbietung der „Polowetzer
Tänze“ von Alexander Borodin in
einem äußerst wirkungsvollen Arrangement von Rudolf Würthner. Heinz Gengler hat das EKAO schon 1935 gegründet und
war über 62 Jahre sein Dirigent. Er erreichte es, dass LP-Einspielungen auch
von Zeit zu Zeit in den Sendungen des WDR-Rundfunks zu hören waren. Und mit dem beeindruckenden Klangkörper trug er den Namen der
Stadt Köln auf Konzertreisen nicht nur in europäische Länder, sondern auch in
die USA, nach Südafrika und Brasilien.
Das EKAO gastierte in den 70er
Jahren in der Aula des Gymnasiums Rodenkirchen. Die Konzerte waren leider
nur schwach besucht. „Die Rodenkirchener
haben nichts mit Akkordeon im Sinn,“ meinte damals Heinz Gengler. Für mich waren
diese Veranstaltungen Anregung pur für unsere eigene Orchesterarbeit. Hier
hörten wir zum ersten Mal „Ungarland“, eines der Lieblingsstücke von Heinz
Gengler, das er gemeinsam mit Rudolf
Würthner geschrieben hat. Aber auch die „Zigeuner-Ouvertüre“ von Curt Mahr oder das „Florentinische
Konzert“ von Gerhard Mohr, die wir
später in unser Repertoire nahmen. Da ich aus meiner Schulzeit den Hausmeister
kannte, hatten wir „Spitzenplätze“ in der Aula: wir konnten auf der Empore das
Programm mit Ohren und Augen ganz besonders genießen. Danach wurden wir
regelmäßige Konzertbesucher der Jahreskonzerte,
die die zahlreich erschienenen Zuhörer immer begeisterten – heute finden sie in
der Aula der Musikhochschule Köln statt. Heinz Gengler hat es übrigens gemeinsam mit Jürgen Löchter erreicht, dass Akkordeon sich als vollwertiges
Studienfach an der Musikhochschule Köln (Abteilung Wuppertal) etabliert
hat.
DHV-Landesverband Nordrhein-Westfalen
Gottfried Weber, der unser Akkordeon-Orchester
Wesseling 1965 als musikalischer Leiter aufgebaut hat, erzählt noch oft von
den Anfängen des DHV in
Nordrhein-Westfalen. Diese hat Heinz Gengler als Funktionär entscheidend
geprägt. Er hat sowohl der Landesverband
NRW als auch den Bezirk Mittelrhein 1958 in Köln gegründet. Lange war er der Landesleiter und gehörte gleichzeitig
dem Präsidium in Trossingen an. Gottfried Weber erinnert sich auch noch gerne
an einen Dirigentenkurs des DHV NRW, den er 1964 bei Günter Haseke in der Musikschule von Heinz Gengler in Köln, Kitschburger Straße, in Vorbereitung seiner
Dirigentenrolle absolviert hat. Heinz Gengler war immer dabei!
1975 wollten wir am „Akkordeon-Weltfestival“
in Luzern teilnehmen – das erste Mal in der Kategorie Oberstufe Senioren.
Eigentlich stand das unter keinem so guten Stern, denn zwei wichtige
Stammspieler konnten nicht mitfahren. Zur Vorbereitung hatte Gottfried Weber Heinz Gengler zu einer
Probe der „Festival-Ouvertüre“ von Rudolf
Würthner in das Foyer der Kronenbusch-Halle Wesseling eingeladen. Dieser war zu
dieser Zeit Bezirksdirigent des DHV
Mittelrhein. Es waren spannende zwei Stunden – für die meisten von uns war es
das erste Mal, unter einem anderen Dirigenten zu spielen. Ich freute mich sehr,
dass Heinz Genglers Vorstellungen über Artikulation, Tempi und Dynamik sich mit
meinen ziemlich gut deckten. Und nicht zuletzt diese Probenarbeit hat mit dazu
beigetragen, dass wir trotz harter Konkurrenz mit dem Prädikat „ausgezeichnet“
bewertet wurden.
Nicht so gut klappte es 1983 beim „Alpenländisches
Akkordeon-Festival“ in Innsbruck. In der Oberstufe Senioren traten 140
Orchester an. Wir hatten als Wertungsstück „Erinnerung an ein Ballerlebnis“ von
Hans Bund vorbereitet. Heinz Gengler war Jury-Mitglied.
Irgendwo in Innsbruck traf er nach unserem Wertungsspiel zwei unserer
Mitglieder und meinte: „Mit diesem Stück wollt
ihr aber keinen Blumentopf gewinnen?! Es
ist eine Bearbeitung, keine Originalkomposition!“ Unsere Darbietung wurde
nur mit „gut“ bewertet – und wir waren sehr enttäuscht, denn mit demselben
Stück wurden wir 1979 beim „6. Grand Prix International d l’Accordeon“ in
Aix-les-Bains, Frankreich, in der Nähe des Genfer Sees. Sieger in der Categorie
moyenne. Wir brachten einen Pokal, eine Goldmedaille und eine Urkunde mit nach
Wesseling und wurden dafür von Bürgermeister Alfons Müller MdB mit einem Empfang im Rathaus geehrt.
Fortbildungslehrgänge in Remscheid
1981 fuhren Gottfried Weber und ich zur Osterarbeitswoche Trossingen. Gottfried
Weber „studierte“ bei Fritz Dobler,
und ich nahm an einem Dirigentenlehrgang bei Karl Perenthaler teil. Bei einem Gespräch danach – ich weiß gar
nicht mehr, wann und wo das war – wies uns Heinz Gengler darauf hin, dass für
uns vielleicht ja auch die Fortbildungslehrgänge
des DHV NRW in der Akademie Remscheid zu Pfingsten interessant sein
könnten. „Remscheid ist näher als
Trossingen – und es werden dieselben hervorragenden Dozenten verpflichtet:“ Fritz
Dobler, Bernd Maltry, Hans-Günther Kölz, Wolfgang Russ, Stefan Hippe,
Thomas Bauer ... Heinz Gengler hat diese Lehrgänge vor 35 Jahren in seiner
Verantwortung als DHV-Landesleiter NRW begründet – eigentlich für die Orchester
in Nordrhein-Westfalen, aber es kommen heute auch etliche Spieler aus anderen
Bundesländern, z.B. Hamburg, Berlin, Niedersachsen, Hessen, Baden-Württemberg,
Bayern … Eine absolute Erfolgsstory – oft reichen die Betten in der Akademie
nicht aus, so groß ist der Ansturm! 1991 war ich zum ersten Mal dabei – im Kurs
von Hans Boll. Diese Fortbildung
wurde für mich dann Tradition. Regelmäßig reservierte ich diese Woche in meinem
Terminkalender, um Anregungen und praktische Übung im Orchesterspiel, in der Interpretation
gehobener Originalmusik, in moderner Rock- und Pop-Stilistik zu bekommen.
Und Heinz Gengler ist regelmäßig
in Remscheid dabei. Bis 2006 hielt der DHV-Ehrenpräsident dort auch Vorträge, so z.B. 2003 zum Thema „Es war nicht alles schlecht, was
früher einmal gut war“, untermalt von Gunter
Gabriels bekanntem Song. In seiner Abschiedsrede 2006 schloss er sein
Kurzreferat mit den Worten: „Liebe
Freunde, dies ist nach meinem ausdrücklichen Wunsch die letzte Begrüßung nach
32 Jahren. Sollte es das Schicksal gut mit mir meinen, so wünsche ich mir,
künftig als Gast bei Euch zu sein.“ Die Teilnehmer dankten mit einem
minutenlangen Applaus. Einen Eindruck davon, warum viele Teilnehmer immer
wieder kommen, vermittelt die Seite http://ksta.stadtmenschen.de/verein/akkordeonisten_remscheid
auf der stadtmenschen-Plattform des Kölner Stadt-Anzeigers.
Bis heute bewundernswert aktiv
Dass heute Heinz Gengler immer
noch aktiv am Kulturleben und besonders an der Verbandsarbeit Abteil nimmt,
zeigen folgende Beispiele.
- Im
letzten Jahr hat er ein Arrangement des „Czardas Hungaria“, einer
bekannten Solo-Nummer von Curt Mahr,
vollendet. Es ist im Jetelina-Verlag erschienen.
- Auf
der Bezirksversammlung des DHV Mittelrhein am 18. Januar 2009 beteiligte
er sich aktiv an der Diskussion zur Bedeutung des DHV: „Was wäre Trossingen ohne die Arbeit auf
Bezirksebene?“ Er bedauert sehr, dass viele Vereine, die im Bezirk
Mittelrhein Bezirkstreffen mit Kritikspielen ausgerichtet hatten, heute
nicht mehr existieren. Aber diese rückläufige Tendenz ist sogar im
„Heimatländle“ des Akkordeons und von Heinz Gengler, in Baden-Württemberg,
zu spüren.
- Besonders
gefreut haben wir uns, dass Heinz Gengler gemeinsam mit Isolde Alka, der heutigen DHV-Landesleiterin NRW, Ehrengast unseres Jahreskonzertes
am 15. November 2008 unter dem Motto „Welt-Musik“ war. Anlass war die
Verleihung der „Ehrenamtsplakette des DHV“ an mich. Und in der Pause
meinte er „Das letzte Mal war ich in
den 90er Jahren zu einem Konzert bei Euch – das Jahr weiß ich nicht mehr
genau – aber Ihr hattet Jürgen
Farkas zu Gast.“ Er war Preisträger beim Akkordeon-Musikpreis in
der Kategorie Virtuose Unterhaltungsmusik. Den damals 16-jährigen Schüler
hatte ich durch meine aktive Mitgliedschaft im Ersten Orchester des Akkordeon-Vereins Schönaich unter Wolfgang Russ kennen gelernt, als
ich in Stuttgart gearbeitet habe. Stimmt: Heinz Gengler war zu unserem
Konzert 1995 gekommen, um als DHV-Landesleiter Gottfried Weber für seine 30jährige Dirigententätigkeit mit
der Goldenen Dirigentennadel auszuzeichnen.
Stolz waren wir über seine Rückmeldung nach dem Konzert, dass es ihm sehr
gut gefallen hat. Und bei einer Begegnung am nächsten Tag beim Konzert des
Ersten Essener Akkordeon-Orchesters sprach er mich an: „Wie hieß denn gestern Eure erste
Zugabe? Ein Boogie von Gerhard Mohr – das wusste ich schon gestern. Aber heute bin ich darauf gekommen: es war
der „Manhattan-Boogie.“ Beeindruckend!
Wer ergänzend und umfassender
etwas von diesem besonderen Kölner Geburtstagskind erfahren möchte, dem sei ein
Interview, das im Jahre 2000 Wallace
Ligget mit ihm geführt hat, empfohlen: http://www.accordions.com/interviews/gengler/index.shtml
Lieber Heinz Gengler,
zu Ihrem 95. Geburtstag
gratulieren wir Ihnen ganz herzlich – auch im Namen des Akkordeon-Orchesters Wesseling. Wir wünschen Ihnen, dass Sie
weiterhin so fit bleiben und aktiven Anteil am Kulturleben und besonders an der
Akkordeonszene nehmen können. Wir haben Hochachtung vor Ihrer Lebensleistung:
fast 80 Jahre wirkungsvolle Gestaltung der Harmonika-Bewegung. Glückwunsch!
Viele Grüße
Anita Brandtstäter
4 Kommentare
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Kommentare zu 95 Jahre Heinz Gengler
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95 ist ein stolzes Alter. Auch unsere liebe Heidi Kabel bekannt aus dem Ohnsorg Theater konnte Ende August ihr hohes Alter feiern. Gratulation!
ja das kann man sagen und er hat es auch schon sehr weit geschafft,glückwunsch.
Allerdings, man kann echt nur hoffen, dass man selber mal so ein hohes Alter erreicht und immer noch fit dabei ist.
Herzlichen Glückwnsch! 95 ist ein stolzes Alter!