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Artikel Frühkindliche Bewegungsdefizite verursachen Lernschwächen

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Frühkindliche Bewegungsdefizite verursachen Lernschwächen

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Erkenntnisse über die frühkindliche Entwicklung zeigen neue Wege in der Behandlung von Lernproblemen


 


Luca hatte sich schon Wochen vorher auf den ersten Schultag gefreut. Nach einigen Tage Schule war seine Freude jedoch verflogen. Drei Wochen nach dem Schulstart mochte er gar nicht mehr zur Schule gehen und klagte schon morgens über Kopfschmerzen. Auf die besorgte Nachfrage der Mutter sagte Luca, dass seine Tischnachbarn alles immer viel schneller und leichter könnten als er. Am nächsten Tag teilte die Lehrerin der Mutter mit, dass Luca sich in der Schule schwer tue. Er lerne langsamer als seine Mitschüler lesen und schreiben und habe beim Schreiben Schwierigkeiten, die vorgegebenen Linien einzuhalten. Seine Stifthaltung sei verkrampft. Zudem sei er ständig in Bewegung und kipple mit dem Stuhl.


Bis vor einigen Jahren wurden solche Probleme mit „Nachhilfe“-Unterricht behandelt, in dem die Kinder besser lesen und schreiben lernen sollten. Ein erprobter, aber oft mühseliger und nicht immer sehr effektiver Weg.


Die Arbeiten der Wissenschaftlerinnen Sally Goddard (Chester, GB) und Dr. Bein-Wierzbinski (Hamburg)  weisen hier neue Möglichkeiten in der Therapie von Lernstörungen. Sie machen Defizite in der frühkindlichen Bewegungsentwicklung für Schwierigkeiten in Deutsch und Mathe verantwortlich. Bein-Wierzbinski hat aus dieser Erkenntnis einen eigenen Therapieansatz mit dem Namen „Päpki®“ entwickelt.


Der Logopäde und Lern- und Entwicklungstherapeut Andreas Pohl arbeitet seit 10 Jahren in eigener Praxis mit dieser Therapieform. Anfangs hat er sie als Ergänzung zur Sprachtherapie und als Lerntherapie angeboten, doch mittlerweile hat sich der Kreis der Störungsbilder, den er mit Päpki® behandelt, erheblich erweitert. Er therapiert Kinder mit Bewegungsstörungen, mit Wahrnehmungsstörungen, mir emotionalen Beeinträchtigungen und mit Kontaktproblemen.


Luca sei ein typisches Päpki®-Kind, so Pohl. Die überwiegende Mehrheit dieser Kinder leide neben der Lernschwäche an eine Reihe weiterer Symptome.  Die wichtigsten sind eine schlaffe und oft im Bereich des Halses schiefe Körperhaltung und eine chronische Verspannung im Bereich der Schulter-Nacken-Muskeln mit einer verminderten Drehmöglichkeit des Kopfes. Dies sind laut Pohl direkte Folgen einer unfertigen frühkindlichen Entwicklung. Diese motorischen Einschränkungen können von vielen Kindern noch ohne Hilfe gut ausgeglichen werden. Sie führen jedoch fast immer zu Wahrnehmungsstörungen und Problemen in den Bereichen der Aufmerksamkeit und der Konzentration. Dies liegt daran, dass ein wesentliches Organ der Körpereigenwahrnehmung, das „sensorische Nackenfeld“ im Bereich der kurzen Nackenmuskeln, durch die Verhärtung dort massiv in seiner Funktion eingeschränkt ist und die Kinder sich in der Folge weniger spüren. Sie versuchen dies durch mehr, oft übermäßige körperliche Aktivität auszugleichen. Dadurch wirken sie unruhig. Sie nehmen die Welt aber auch anders wahr, da eine schlechte Körpereigenwahrnehmung zu einer schlechten Raumwahrnehmung führt. Dies erkläre die „Buchstabendreher“  beim Schreiben oder das schlechte Mengenverständnis beim Rechnen, erläutert Pohl.


Eine weitere wesentliche Einschränkung durch Störungen in der frühkindlichen Bewegungsentwicklung sieht Pohl im Verhalten der betroffenen Kinder. Durch die unsichere körperliche Basis sind sie schüchtern und unsicher im Umgang mit unbekannten Menschen und Situationen.


Diese mit einer Lernstörung häufig zusammen auftretenden Probleme lassen sich heutzutage gut behandeln. Päpki–Therapeuten untersuchen rückwirkend die frühkindliche Bewegungsentwicklung ihrer Patienten mit Hilfe neuromotorischer Tests. Abweichungen und Auslassungen dieser Entwicklung behandeln sie mit speziellen Körperübungen, die sich wiederum an wichtigen Entwicklungsbausteinen des ersten Lebensjahrs orientieren.


Luca hat eine Päpki-Therapie begonnen. Jeden Tag macht er mit seiner Mutter zusammen bestimmte auf seinen Entwicklungsstand abgestimmte Übungen. Einmal  im Monat stellt er sich bei seinem Therapeuten vor, damit dieser das Übungsprogramm aktualisieren kann. Luca ist schon sehr viel ruhiger geworden, die Stifthaltung hat sich verändert und seine Schrift passt besser in die Linien seines Heftes.


 


Andreas Pohl


 


Vorträge zum Thema siehe www.ppp-bremen.de


 


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