Artikel Redestruktur und Aufbau einer Rede
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Entscheidend
für eine gute Rede ist ein klarer Aufbau, wobei sich die
Untergliederung in Einleitung, Hauptteil und Schluss anbietet.1
Dieser Aufbau ist eine Orientierungshilfe für kurze und schnell
gehaltene Reden. Steht etwas mehr Zeit zur Verfügung, kann die Rede
ausführlicher aufgebaut und in fünf Teile untergliedert werden.
Ausgehend von einem bei den Zuhörern geweckten Interesse (1) folgt dann
die Beschreibung eines Sachverhalts (2), der mit Begründungen
untermauert wird (3). Veranschaulicht werden diese Ausführungen dann
mit Beispielen (4), an die sich Schlussfolgerungen und daraus
abzuleitende Handlungen anschließen (5). Dieser Aufbau ist jedoch nicht
für alle Arten von Reden geeignet. Der Aufbau der Rede hängt auch ab
von der jeweiligen Redesituation. So empfiehlt sich eine andere
Gestaltung, wenn die Rede in einer Atmosphäre gehalten wird, wo sehr
viele Zuhörer anderer Meinung sind oder sogar bereits Stimmung gegen
den Redner gemacht wird. In diesem Umfeld kann sich ein Redner viel
eher mit einer positiven Darstellung der Redeinhalte profilieren. Dabei
sollte es auch darum gehen, die andere Meinung, die offenbar von einer
Vielzahl der Zuhörer geteilt wird, zu respektieren und positive
Argumente wiederzugeben. An diese Darstellung kann sich dann die
positive Darstellung der eigenen Position anschließen. Nach einem
ebenso sachlich erfolgenden Vergleich folgt dann eine Schlussfolgerung,
mit der sachlich aufgezeigt wird, dass die eigene Position
vorteilhafter und besser ist.2
In einer Atmosphäre dagegen, in der dem Redner klar ist, dass ein
großer Teil der Zuhörer auf seiner Seite ist, kann der Aufbau der Rede
ganz anders erfolgen. Hier kann auch ein Angriff gegen eine andere
Meinung erfolgen, durch deren betont negative Darstellung der Redner
dann die positive Vorstellung des eigenen Standpunkts mit der sich
anschließenden Begründung darstellt.3
Darüber hinaus können sich Unterschiede im Aufbau der Rede bei
verschiedenen Arten von Redevorträgen ergeben. So empfiehlt es sich
einen Sachvortrag anders zu gestalten als eine Rede, in der es darum
geht, ein Firmenjubiläum zu feiern. Der Sachvortrag sollte dabei an der
Inhaltlichkeit des dargestellten Gegenstandes orientiert sein. Wird
kein Sachvortrag gehalten, können auch Emotionen einen wesentlichen
Bestandteil einer Rede ausmachen.4
Die einzelnen Elemente der Rede können darüber hinaus im Hinblick auf
die Intention des Redners weiter differenziert werden. Da der Redner
die Zuhörer überzeugen, positiv beeinflussen und für sich einnehmen
will, sollten bei der Gestaltung der einzelnen Elemente positive
Inhalte im Vordergrund stehen. Dies bedeutet allerdings nicht, dass der
Redner unkritisch und nur mit positiven Argumenten reden sollte.
Vielmehr ist es wichtig, fair und angemessen zu argumentieren. Ein
wesentlicher Bestandteil positive Stimmung zu erzeugen, ist es bereits
mit der Einleitung Wohlwollen zu erwerben. Dies kann der Redner mit
Hilfe von Komplimenten oder einem Dank für die Einladung erreichen.5
Wesentlich für einen gelungenen Einstieg ist darüber hinaus, das
Interesse der Zuhörer zu gewinnen. Dazu kann z.B. ein aktueller
Aufhänger dienen oder es kann ein Photo als Einstieg oder zur
Veranschaulichung gewählt werden.6
Der Hauptteil der Rede bildet den Schwerpunkt und den eigentlichen
Inhalt für den Redner. Um die Zuhörer wirklich zu überzeugen, ist es
beim Hauptteil der Rede unabdingbar, die eigenen Informationen nicht
mit Hilfe von Vorurteilen zu belegen. Dem Redner sollte daher der
Unterschied zwischen seiner subjektiven Meinungen und Tatsachen immer
bewusst sein. Nur dann wird er in der Lage sein, zu überzeugen und auch
Sachkompetenz ausstrahlen.7
Dazu gehört auch Argumente anzuführen. Eine gute Argumentation ist
dadurch gekennzeichnet, dass die Gründe wahr sind, Aussagekraft
besitzen und die Schlussfolgerung gültig ist. Sind die Argumente nicht
überzeugend oder können sie sich schnell als schwach erweisen, haben
sie in einer Rede nichts verloren. Dabei kann es sich als geschickt
erweisen, auch Gegenargumente in die Rede einzubeziehen, die dann mit
der Überzeugungskraft der eigenen Argumente entkräftet werden können.
Um die Überzeugungskraft der eigenen Rede zu erhöhen, können die
eigenen Argumente als Steigerung angeordnet werden, d.h. mit
zunehmender Dauer der Rede werden die Begründungen stärker, so dass am
Ende ein mehr als überzeugendes Argument steht.8
Die Bedeutung, die der Schluss dann für die Rede hat, leitet sich
daraus ab, dass der letzte Eindruck, den der Redner ja in diesem
Redeabschnitt macht, besonders nachwirkt, und die Zuhörer diesen
Eindruck mit nach Hause nehmen. Deshalb kann eine starke Rede durch
einen schwachen Schluss verlieren und eine schwache Rede kann durch
einen starken Schluss gewinnen. Ein starker Schluss ist sehr stark von
der Umgebung und vom Inhalt der zuvor gemachten Ausführungen abhängig.
Als wesentlich kann sich erweisen, die Rede mit einer Aufforderung zur
Handlung zu beenden. Hierbei kann es sich z.B. um einen ausdruckstark
hervorgebrachten Appell handeln, bei dem der Redner seine Stimmlage
verändert und ganz aus sich herausgeht. Eine weitere sinnvolle
Schlussvariante ist ein Zitat oder eine Anekdote. Auch kann der Redner
seine Ausführungen noch einmal kurz zusammenfassen, um so die
Grundgedanken noch einmal zu rekapitulieren.
1 Vgl. Vogt 2005, S. 120.
2 Vgl. ebd., S. 121.
3 Vgl. ebd., S. 121.
4 Vgl. ebd., S. 122 ff.
5 Vgl. ebd., S. 128 ff.
6 Vgl. ebd., S. 137.
7 Vgl. ebd., S. 141ff.
8 Vgl. ebd., S. 150 ff.
Literaturverzeichnis
Vogt, Gustav: Erfolgreiche Rhetorik: Faire und unfaire Verhaltensweisen in Rede und Gespräch, München 2005.
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