Artikel Alkohol und andere Drogen bei Kinder & Jugendliche

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Alkohol und andere Drogen bei Kinder & Jugendliche

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Die meisten Kinder und Jugendlichen haben Erfahrung mit Alkohol und
anderen Drogen, die sie einfach nur ausprobieren und dann mit dem
Konsum aufhören, oder damit weitermachen, ohne große
Probleme zu haben. Einige nehmen regelmäßig Drogen, mit
unterschiedlich starken körperlichen, emotionalen oder sozialen
Folgen. Einige entwickeln eine Abhängigkeit und schaden sich
selbst und anderen sehr stark. Manche sterben oder verursachen den Tod
von anderen.


So haben bereits knapp zehn Prozent aller elfjährigen Jungen und 3,5
Prozent der gleichaltrigen Mädchen einen Alkoholrausch erlebt. Das
durchschnittliche Einstiegsalter für Tabakkonsum liegt bei 14 Jahren.
Und ein Viertel der 12- bis 25-Jährigen hat Erfahrungen mit Cannabis.


Gefährliche Zeit: Pubertät

"Der Konsum von legalen und illegalen psychoaktiven Substanzen
gehörte schon immer zur Umbruchphase des Lebens zwischen Kindheit und
Jugend dazu", meint Prof. Dr. med. Klaus Hurrelmann, Mitherausgeber des
Fachbuches "Drogen bei Kindern und Jugendlichen" (Georg Thieme Verlag,
Stuttgart). Kritisch bewertet er allerdings den immer früheren
Kontakt zu Suchtmitteln: "Medikamente werden schon im Kindergartenalter
genutzt und die ersten Jungen und Mädchen rauchen mit neun Jahren
regelmäßig Zigaretten."


Diese Entwicklung ist besorgniserregend, weil der frühe Konsum von
Suchtmitteln eher in eine spätere Abhängigkeit führt. In den letzten
Jahren wurden in der Sucht- und Drogenforschung viele Informationen
darüber gewonnen, welche Motive hinter dem Verhalten von
suchtgefährdeten Minderjährigen stehen. Diese Erkenntnisse möchten die
Autoren des Fachbuches für vorbeugende Strategien im familiären und
pädagogischen Umfeld nutzen.


Hurrelmann, Professor an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften
der Universität Bielefeld, fordert vor allem, die Einrichtungen der
therapeutischen und medizinischen Versorgung in eine breit gefächerte
Sucht- und Drogenprävention einzubeziehen. Dann können Mediziner, vor
allem Haus- und Allgemeinärzte, ihre minderjährigen Patienten wirksam
behandeln, wenn sie die ersten Anzeichen einer Abhängigkeit erkennen.


Ungenügende Hilfsangebote für süchtige Minderjährige

Befragungen zeigen, dass es für Kinder und Jugendliche sehr wichtig
ist, wer von ihrem Drogenkonsum Kenntnis erhält. Ärzte - die an die
ärztliche Schweigepflicht gebunden sind - können deshalb häufig
leichter ihr Vertrauen gewinnen, als Lehrer oder andere Bezugspersonen.
Die meisten süchtigen Minderjährigen sind nicht in medizinischer
Behandlung und nehmen auch ansonsten keine Hilfe in Anspruch.


Das liegt vor allem daran, dass Jugendliche das Risiko ihres
Drogenkonsums unterschätzen. Dieser wird von fast allen als
unproblematisch wahrgenommen. Außerdem sind sie schlecht über
bestehende Hilfeangebote informiert. Nur fünf Prozent aller
drogenkonsumierenden Jugendlichen nehmen professionelle Hilfe von
Sozialarbeitern, Drogenberatern oder Beratungslehrern in Anspruch.


Etwa ein Viertel wendet sich an Familienmitglieder, Freunde und
andere Bezugspersonen, so dass rund 70 Prozent keine Hilfe erhalten.
Auch die medizinische Versorgung reicht nicht aus. Nur elf Prozent
aller Abhängigen bekommt ärztliche Hilfe, die sich in
Notfallbehandlungen, Versorgung von Verletzungen aufgrund Drogenkonsums
und in Beratungsgesprächen aufteilt. Je jünger die Abhängigen sind,
desto weniger Hilfe erhalten sie.


Einige "wachsen heraus" aus dem Alkohol- und Drogenkonsum. Da man
aber nicht vorhersagen kann, auf wen das zutrifft, sollte jeder Konsum
als gefährlich betrachtet werden.
"Nein" zu Drogen zu sagen ist
Teil der Lösung, aber "nur nein zu sagen" ist nicht genug. Einige
Kinder und Jugendliche haben ein höheres Risiko, Alkohol- oder
Drogenprobleme zu bekommen als andere. Das höchste Risiko haben
die Kinder, in deren Familien Drogen konsumiert werden. Dazu
gehören Alkohol, Tabak, verschreibungspflichtige Medikamente,
Substanzen, die inhaliert werden, sowie frei verkäufliche Husten-,
Erkältungs-, Schlaf- und Diätmittel. Zu den illegalen Drogen
gehören Marihuana, Kokain/Crack, LSD, PCP, Opioide, Heroin und
Designer-Drogen.


Obwohl der Gebrauch einiger Drogen abgenommen hat, ist das bei
anderen nicht der Fall. Besonders Alkohol- und Zigarettenkonsum sind
noch große Probleme. Wer als junger "Teenager" mit dem Rauchen
oder Trinken anfängt, ist einem erhöhten Risiko ausgesetzt.
Diese Substanzen sind typische Einsteigerdrogen, die den Konsum von
Marihuana und auch anderen illegalen Drogen einleiten.


Die meisten Heranwachsenden konsumieren ihre früheren Drogen
weiter, wenn sie neue ausprobieren. Auf Drogenkonsum können
folgende Anzeichen hinweisen:



  • Körperlich: Dauernde Müdigkeit, häufige Krankheit, rote und matte Augen, sowie permanenter Husten

  • Emotional: Veränderung der Persönlichkeit,
    plötzliche Stimmungswechsel, unverantwortliches Handeln, geringe
    Selbstachtung, Depression und ein genereller Mangel an Interessen

  • Schule: Verschlechterung der Noten, häufige Fehltage, Disziplinprobleme

  • Soziale Probleme: Neue Freunde, die wenig Interesse an den
    üblichen Freizeitbeschäftigungen zeigen, Konflikte mit dem
    Gesetz und Bevorzugung von auffallender Kleidung und Musik.


Die oben genannten Warnzeichen können auch andere Ursachen
haben. Eltern sollten darauf achten, aber nicht die Diagnose stellen.
Eine wichtige Möglichkeit für Eltern, das Interesse an ihren
Kindern zu zeigen ist es, offen mit ihnen über Gebrauch und
Missbrauch von Alkohol und anderen Drogen zu sprechen. Ein wichtiger
erster Schritt ist der Besuch des Kindes oder Jugendlichen beim
Hausarzt, um körperliche Ursachen für die Warnzeichen
auszuschalten. Dem sollte die Vorstellung und gründliche
Untersuchung bei einem Kinder- und Jugendpsychiater folgen.


Alle Erwachsenen sollten gemeinsam
Verantwortung übernehmen und zusammenarbeiten. Gefordert ist dabei eine
Sachkompetenz rund um das Thema Sucht und Drogen, um mit den
Heranwachsenden in eine wirkliche Diskussion einsteigen zu können.
Dabei wollen wir Ihnen helfen. Wichtig ist auch eine Vernetzung von Elternhaus, Schule, Sportverein, Jugendbehörde, Polizei etc.
Keiner sollte sich aus dem Erziehungs- und Gestaltungsprozess
ausschließen. Gegen Drogen gibt es sicherlich keine einfachen Rezepte,
aber die größte Gefahr besteht dann, wenn sich Kinder und Jugendliche
aus sämtlichen sozialen Netzen verabschieden.


 


Sucht-, Drogen- und Gewaltprävention ist heute wichtiger denn je,
sie kann gar nicht früh genug beginnen. Jeder kann sich in seinem
Wirkungskreis engagieren. Unterstützen auch Sie die Präventionsarbeit
des gemeinnützigen Fördervereins KEINE MACHT DEN DROGEN und lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, das so wichtige soziale Umfeld von Kindern und Jugendlichen drogenfrei zu halten.


Helfe findet mann unter anderem bei dem Verein:


KEINE MACHT DEN DROGEN
Gemeinnütziger Förderverein e. V.


Höchlstraße 4
81675 München


Tel.: 089/29 19 33-5
Fax: 089/29 19 33-99
E-Mail: info@kmdd.de


 


Quelle: Thieme; Aok, Ikk; Ärtztezeitung


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