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Artikel Arzt zum Nulltarif?

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Arzt zum Nulltarif?


Arzt zum Nulltarif?


 




Es war einmal eine Zeit da waren Ärzte sehr reich. Aber dies ist schon lange vorbei. Damals
war die Idee vieler Ärzte Facharzt zu
werden
.


Damals wurde die Leistung so bezahlt wie ausgeführt, das
heißt jede Leistung wurde auch bezahlt. Man erfand allerdings ein Punktesystem
statt dies in DM auszurechnen.


 


Dieses Punktesystem diente dazu dass die Gesamtmenge Geldes
gleich blieb unabhängig von den Leistungen aller Ärzte. Es was also auch damals
schon die Frage, wenn das Geld begrenzt ist, wer bekommt es?


Es führte zum „Hamsterradeffekt“ will sagen durch die
Mehranforderung an Leistung in Punkten bei gleicher Geldmenge sankt der Wert
pro Punkt. Also es führte lediglich zu einer Umverteilung bei gleichzeitiger
Abwertung von „Mehrarbeit“.


 


Durch den Glauben an die Technik und die angeblich bessere
Ausbildung von Fachärzten hat sich die Gesellschaft hin zur „Facharztmedizin“
entwickelt.


Die Fachärzte hatten erst einmal gewonnen. Die Fetischisierung
der technischen Leistung, auch der technische Fortschritt, trug dazu bei dass
dieser Glaube, immer von mehr Patienten übernommen wurde. Diese Facharztmedizin
hat dazu geführt, dass die Leistungsmenge enorm zunahm. Auch viele unsinnige –
weil Geld bringende - Untersuchungen wurden durchgeführt. Die Wirtschaft
stagniert, nein  sie „krepiert“ seit
einiger Zeit und Arbeitslose zahlen weniger in die Kassen ein. Hier nun gibt es
seit Jahren eine „Reform“ nach der anderen.


 


 


Die vorletzte Änderung war die Einführung von
Individualbudgets im Jahr 2003 welche die individuelle Leistung im Jahr 2002
festschrieb.


Diese
Individualbudgets sind nun durch die RLV’s ) Regelleistungsvolumina) abgelöst
worden
.


 


Was bedeutet dies für
die Hausärzte?


Viele von uns haben massive Einbussen. Ich selber habe einen
Rückgang von 20 bis 30 Prozent hinzunehmen. Hausärzte verdienen maximal 35 Euro
in 3 Monaten pro Patient. Unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten
entspricht dies einem Zeitaufwand von cirka 20 Minuten, dann ist die Chipkarte
„leergesaugt“


 


Jegliche Arbeit
darüber hinaus ist Arbeit die zur Insolvenz führt, dieweil
betriebswirtschaftlich gesehen Ausgaben entstehen ohne Deckung.


Aber auch die Gesamtzahl der Patienten ist beschränkt auf
das Vorquartal 2008. Es ist also eine doppelte Beschränkung.


Während man beim einzelnen Patienten ab dem 2 Kontakt
unbezahlt arbeitet, ist es so, dass man sobald die RLV Grenze erreicht ist, jegliche Arbeit, auch die mit den neu
gekommenen Patienten, unentgeltlich verrichtet, also aktiv dazu beiträgt in die
roten Zahlen zu kommen.


 


Wie verhalten sich
die Kassen?


Ein Beispiel: Ein schwer kranker Patient bei der KKH
versichert ist in hausärztlicher Behandlung. Er ist arbeitsunfähig. Die Kasse
misstraut und schickt zum Medizinischen Dienst. Dieser bestätigt die
Arbeitsunfähigkeit.


Die Kasse ruft daraufhin den Arzt an. Was sie gar nicht darf
und übt Druck aus, diesen Patienten doch arbeitsfähig zu schreiben. Dann ruft
sie den Patienten an, was sie ebenfalls nicht darf, und sagt ihm der Hausarzt
ist schlecht du musst zum Facharzt gehen. Dies alles ist ungesetzlich. Der
Patient jedoch als abhängiger gehorcht, geht zum Facharzt für Orthopädie,  dieser macht nun teure Facharztdiagnostik wie
MRT und zusätzlich noch eigene Behandlung. Im Ergebnis geht es dem Patienten
jetzt noch schlechter. Er ist inzwischen auch seelisch belastet und geht neben
der fachärztlichen orthopädischen Behandlung nun auch noch in fachärztlich
psychiatrische Behandlung. Dies zeigt deutlich wie auch und gerade die Kassen
massiv dazu beitragen die Kosten hoch zu treiben und zwar ohne Nutzen – hier
sogar zum Schaden des Patienten.


 


 


 


Zurück zum RLV. Hier
wird in Grundleistung und Zusatzbudgets differenziert
.


Diese Zusatzleistungen sind z.B. Rektoskopie, Langzeit-EKG
etc. Im Prinzip technische Leistungen.


Erstens diese Leistungen sind in der hausärztlichen
Behandlung nicht wirklich erforderlich.


Klar sind sie erbringbar. Diese Leistungen werden jedoch bevorzugt außerhalb der RLV bezahlt und auch damit ein Anreiz gesetzt für eine technikorientierte Behandlung. Technik
ist schon OK aber sie muss ärztlich begründet sein nicht finanziell.


Was steckt dahinter? Die Verbindung der Industrie und der
Politik mal vorsichtig ausgedrückt.


 


Noch einmal zu dem
Märchen vom Geld, es heißt:


 


Das Gesamtbudget für die insgesamt 130000 frei
praktizierenden Kassenärzte war im vergangenen Jahr um 2,7 auf insgesamt knapp
25 Milliarden Euro erhöht worden. Dies ist einfach eine Lüge wie so vieles: Der
Zuwachs von 2008 zu 2009 sind  1,77
Milliarden Euro.


(Quelle: KBV)


Und von diesem Geld ist nichts angekommen außer vielleicht
in den so genannten Neuen Bundesländern.


Den Berechnungen für das RLV liegt ein Punktwert zu Grunde
von 3,5 Cent. Als betriebswirtschaftliches Minimum galt bisher 5,11 Cents. bzw.
6,8 Cent unter Berücksichtigung der Inflation.


Die Kasse zahlt
konkret pro Patient einen Höchstwert von Maximal 35 Euro in drei Monaten
, was
den Hausarzt anbetrifft. Die Zahl der
von ihm behandelbaren Patienten ist eingefroren auf das Vorquartal des letzten
Jahres.


 


Auch die Ärzte sind gezwungen betriebswirtschaftlich zu
denken und zu handeln wie alle anderen Selbstständigen ebenfalls. Das heißt
dass Leistung die nicht bezahlt wird auch nicht erbringbar ist.


Die Chipkarte hat
eine maximale Deckung von 35 Euro, dies ist ein Fakt den die Politik geschaffen
hat und nicht die Ärzte
.


Dass Fachärzte, die ja einen noch höheren Anteil an
Betriebskosten haben, teilweise z.B. bei MRT, Verluste einfahren statt Gewinn
und demzufolge eine Behandlung verweigern, kann man nicht diesen Ärzten
vorwerfen, man kann allerdings und man sollte auch  fragen: Brauchen wir eine Facharztmedizin die
zum Selbstbedienungsladen verkommen ist, wo jeder Patient sofort und direkt
durch die Zahlung von 10 Euro sich unbegrenzt Facharztleistung einholen kann
ohne an diesen Kosten beteiligt zu sein. Noch deutlicher: Facharztmedizin ist
nur dann sinnvoll wenn der Hausarzt eine Überweisung für erforderlich hält
ansonsten ist sie schädlich, da jeder Facharzt Organfixiert ist und den Menschen
vergisst das heißt die ganzheitliche Sicht auch von Erkrankungen und die
Zuordnung der Symptome kann nur durch den Hausarzt erfolgen. Und diese Medizin
ist nicht nur sinnvoller sondern auch bezahlbar.


Letztendlich noch eine Anmerkung: In diesen Zeiten des
knappen Geldes ist es z.B. die AOK Berlin die ihren Mitgliedern 100 Euro (Also
das Geld für 3 Quartale ärztlicher Behandlung) schenkt wenn sie  eine Reise machen und in bestimmten 4
Sternehotels übernachten.


 


Kontakt unter: Arztberlin@gmx.de


 


http://conzelmann.blogspot.com/2008/11/der-nchste-schritt-in-die.html


 


 


1 Kommentar

Kommentare zu Arzt zum Nulltarif?

 

samsun2samsun2am 28.02.09


Dies zeigt doch nur, wie marode unser System ist. Ich bin selber Physiotherapeutin, arbeite aber nicht mehr in diesem Beruf, da das System ein effektives, zum Wohle des Patienten, Arbeiten nicht mehr zuläßt.

Als ich (mittlerwele Privatpatient) letzte Mal beim Arzt war, habe ich eine sofortige Abrechnung gewünscht. Der Arzt war völlig überrascht von meiner Absicht, die Leistung sofort zu bezahlen. Als ich dann die Abrechnung sah, konnte ich nur lachen. Denn von den Beträgen für die Leistungen kann kein Arzt existieren!!!

Es ist schade, daß wir in einer medizinisch solch hochstehenden Gesellschaft leben, und doch so ein "schlechtes" Abrechnungssystem haben. Da entscheidet doch letztendlich das Geld ob man gesund wird. Und ganz speziell die KK (Sachbearbeiter, Rechtslage) und nicht der Fachmann vor Ort, der den Patientenzustand kennt.

Daß in jedem System "faule Eier" sind, daran wird auch ein einheitliches Gesundheitssystem nichts ändern.


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