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Gedenken an die Opfer des Amoklauf in Winnenden - Eindrücke > buck-info

 



Winnenden.
Am Tag vor der
Trauerfeier zum Gedenken an die Opfer des Amoklaufs in Winnenden war ich vor
Ort, um Anteil am Geschehenen zu nehmen und um meiner Betroffenheit Ausdruck geben
zu können. Die ganze Stadt war gezeichnet von der Trauer über das, was an diesem
schrecklichen Tag geschehen ist. Viele Geschäfte hatten Schilder angebracht,
dass sie während der Trauerfeier geschlossen haben werden.



Gedenken an die Opfer mit Kerzen,
Blumen und Briefen
Vor der Albertville-Realschule bot sich ein ergreifendes Bild: Ein Meer von
Blumen und Kerzen, dazwischen viele Briefe, Plakate und Plüschtiere, die
Menschen niedergelegt haben. Einzelne zünden erloschene Kerzen wieder an oder
stellen weitere hinzu. Eine betroffene Ruhe und Andacht herrscht unweit vom Ort
des grausamen Geschehens, das am 11. März 2009 eine Stadt ins Wanken gebracht
hat.



Warum?

Beim Lesen der Briefe und Schilder wurde man in die Mitte derer genommen, die
das Unfassbare wohl schwerlich verarbeiten können. Ein Schild hat mich besonders
bewegt, das ein Junge, wohl ein Freund von Ibrahim, unweit vom Tatort aufgestellt
hat:


„Ibrahim Bruder warum musstest du
gehen WARUM? Du fehlst uns so sehr - ich kann mich noch erinnern, wie wir
zusammen kicken waren wie du immer von Cristiano Ronaldo geredet hattest und
jetzt bist du ganz weit weg von uns. Ich hoffe dir geht es dort besser, wo du
gerade bist - tu uns einen Gefallen und sag uns bei Fehlern Bescheid – warne uns
vor Gefahren. Wir alle lieben & vermissen dich!!! Serkan.“


Überall ist das Wort „Warum?“ zu sehen – das Unfassbare prägt die Gedanken.



Trost durch die Bibelworte

Doch immer wieder sind auch Worte des Trostes zu lesen, wie z. B. der
Bibelvers: „Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in großen Nöten,
die uns getroffen haben. Psalm 46,2“, den jemand auf einen Stein geschrieben
hat. Andere haben ein Kreuz aufgerichtet, an dem viele Zettel befestigt wurden.
Viele Menschen sehen auf zu Jesus und holen sich dort Kraft, wo sie wohl am
Meisten zu erwarten ist.


In meinem Eintrag im Online-Kondolenzbuch unter www.winnenden.de habe ich auch versucht,
Trost durch den Psalm 77 zu geben, dieser Psalm, der auch heute bei der
Trauerfeier verlesen wurde:


„In der Zeit meiner Not suche ich den
Herrn; meine Hand ist des Nachts ausgereckt und lässt nicht ab; denn meine
Seele will sich nicht trösten lassen.“


Diese Worte konnten in den letzten Tagen viele Menschen nachvollziehen. Aber
der Psalm gibt auch Hoffnung:


„Aber doch sprach ich: Ich muss das
leiden; die rechte Hand des Höchsten kann alles ändern. Darum gedenk ich an die
Taten des Herrn; ja, ich gedenke an deine vorigen Wunder und rede von allen
deinen Werken und sage von deinem Tun. Gott dein Weg ist heilig. Wo ist so ein
mächtiger Gott, als du, Gott, bist? Du bist der Gott, der Wunder tut; du hast
deine Macht beweiset unter den Völkern.“



„Ich habe einen Traum“
Dass wir weiter an unserem Lebenstraum weiterarbeiten sollen, kam beim
Staatsakt nach der kirchlichen Trauerfeier auf beeindruckende Weise zum
Ausdruck. Der bekannte Satz von Martin Luther King. „Ich habe einen Traum,“
stand in grüner Schrift auf den T-Shirts der anwesenden Schülerinnen und
Schüler. Sie alle möchten den Traum ihres Lebens weiterleben lassen. Die Schulleiterin,
Astrid Hahn hatte zusammen mit Schülern auf berührende Weise gezeigt, dass das
Leben weitergehen wird.



Trostworte und Mahnung des
Bundespräsidenten
Ergreifend und berührend zugleich waren die Worte des Bundespräsidenten
Horst Köhler. Als er auch den Eltern des Amokläufers Tim K. gedachte, konnte er
seine Tränen nicht mehr zurückhalten. Tief bewegt gedachte er den Toten. „Amokläufe
führen uns auf schmerzliche Weise vor Augen, wie verletzlich und zerbrechlich
unser Leben ist und wie trügerisch unser Gefühl von Normalität und Sicherheit“.
Gleichzeitig übte Köhler Kritik an Filmen und Killerspielen, die extreme Gewalt
zeigen und mahnte Konsequenzen an: "Sagt uns nicht der gesunde Menschenverstand,
dass ein Dauerkonsum solcher Produkte schadet? Ich finde jedenfalls: Dieser Art
von "Marktentwicklung" sollte Einhalt geboten werden." Auch
Eltern müssten ihren Kindern hier Vorbild sein.



Gutes Tun am Anderen

Es bleibt unsere Aufgabe aus all diesem zu lernen. Es gilt, sich mehr um die
Mitmenschen zu kümmern, den Andern Augenmerk zu schenken und zu erkennen, wo
der Schuh drückt. Wir müssen bereit sein, Einhalt zu gebieten, wenn wir Verachtung,
Mobbing, Ausgrenzung und Unterdrückung sehen. Stattdessen ist es unsere
Aufgabe, ein Vorbild darin zu sein, Liebe, Mitgefühl, Freundschaft und Anerkennung
auszuteilen.



Backnang, den 21. März 2009


 


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