Artikel So bringe ich meinen Nachbarn in die geschlossene Psychiatrie
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Mein russischer Nachbar
Wer glaubt, Hartz IV Empfänger würden den ganzen Tag nur rumhängen,
sich die Rübe zukiffen und nebenher ein bisschen Schwarzgeld verdienen,
der irrt sich gewaltig!
Ich, zum Beispiel, habe nämlich überhaupt keinen Nebenjob.
Nein, meine Arbeitslosigkeit füllt mich voll aus.
Ich nutze die mir zur Verfügung stehende Zeit, um mich meinem sozialen
Engagement zu widmen und kümmere mich um hilfsbedürftige Menschen in
meiner Umgebung.
Erst kürzlich konnte ich einem allein lebenden Nachbarn dazu verhelfen endlich,
psychiatrische Hilfe in Anspruch zu nehmen und es geht ihm heute
bestimmt schon viel besser, glaube ich. (Er ist noch immer nicht
entlassen.)
Mir war schon seit längerer Zeit aufgefallen, dass er schrecklich nach Wodka roch,
wenn er mir im Flur begegnete.
Dem Mann muss geholfen werden, dachte ich.
Also, stellte ich ihn bei nächster Gelegenheit zur Rede und klärte ihn umfassend über die Gefahren von Alkohol Missbrauch auf.
Ich habe wirklich nichts ausgelassen, Leberzirrhose, Varizenblutung, Verblödung, Impotenz,
Tod und was am schlimmsten ist, die Abhängigkeit!
Da war der aber platt, ich schätze so offen und ehrlich hat mit dem
noch nie jemand gesprochen, der bekam den Mund nicht mehr zu.
Nach dieser Schocktherapie habe ich ihn erst einmal ein paar Tage in Ruhe gelassen,
damit er das Gesagte reflektieren kann.
Außerdem war er in dieser Zeit ohnehin immer sehr in Eile, wenn ich ihm begegnete.
Aber dann, wenige Tage später, zeigte er plötzlich Gesprächsbereitschaft.
Nicht nur das, er erflehte förmlich meine Hilfe!
Schon von weitem rief er mir über den Flur entgegen: „Du hast mir gerade noch gefehlt!“
und verschwand.
Jetzt bloß nichts falsch machen, dachte ich.
Deshalb lud ich ihn am Abend unter einem fadenscheinigen Vorwand in meine Bude ein.
Dort brach es dann nach ein paar Stunden Plaudern förmlich aus ihm heraus.
Der hat sogar noch um 4.00 Uhr am Morgen wie wild an meine Wohnungstüre
gehämmert, aber so aufgelöst wie der war, konnte ich den natürlich
nicht raus lassen.
Um 7.00 Uhr versprach er mir, nie wieder einen Tropfen anzurühren.
Kurzum, die ganze Sache war ein voller Erfolg und ich war überglücklich!
Leider ist er dann wieder rückfällig geworden, also sah ich mich zu einer weiteren, kleinen
therapeutischen Intervention genötigt.
Am Abend besuchte ich ihn mit drei Flaschen Billig Wodka, damit er seine neu gewonnene Lebensfreude begießen konnte.
Da ich es am Magen hatte, konnte ich leider nicht mittrinken, das tat seinem Engagement jedoch keinen Abbruch.
Nachdem er bereits nach der zweiten Flasche so sehr schwächelte, dass er orientierungslos
durch die Wohnung wankte und versehentlich in die Küche urinierte, sah
ich die Gelegenheit gekommen, mich um professionelle Hilfe zu kümmern.
Den herbeigerufenen Notarzt kannte ich noch von früher, also konnte ich mich kurz fassen.
Ich zeigte ihm eine mitgebrachte volle Schlafmittelpackung und sagte
nur: „ Der wollte sich umbringen, die Packung konnte ich ihm gerade
noch entreißen. Und wenn er klar ist, frage ihn doch mal, ob er noch
immer Stimmen hört, die ihm Befehle erteilen.“
Der lästige Kleinkram mit der Zwangseinweisung in die geschlossene Psychiatrie war dann schnell erledigt.
Die Kollegen der Berufsfeuerwehr sorgten dann dafür, dass "Igor", wir
waren uns nämlich inzwischen näher gekommen, endlich die Aufmerksamkeit
und Betreuung erhielt,
nach der er sich insgeheim so sehr sehnte.
Leider bin ich noch nicht dazu gekommen ihn zu besuchen,
aber ich bin sicher es geht ihm gut!
PS.
Also, liebe Foristen.
Wenn jemand von Euch einmal ein privates Problem hat,
wendet Euch vertrauensvoll an mich.
Ich bin immer für Euch da, versprochen!
;-)
www.hartz-aber-lustig.de
11 Kommentare
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Kommentare zu So bringe ich meinen Nachbarn in die geschlossene Psychiatrie
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Na ja, irgendwas ist ja immer, oder? Man sollte bei der Rechnung auch nicht vergessen, dass der Alkoholindustrie wieder ein Kunde abhanden gekommen ist. Das könnte Arbeitsplätze kosten! Obwohl... dafür hat jetzt die Pharmaindustrie einen Kunden mehr, das dürfte sich -gesamtwirtschaftlich betrachtet- dann mehr als aufrechnen.
Endlich mal einer der seine sozialen Pflichten - gerade unseren lieben russischen Mitbürgern gegenüber - endlich mal ernst nimmt und sich die nötige Zeit nimmt um die erforderlichen Schritte einzuleiten. Dumm nur, dass fortan monatlich statt lediglich ein paar hundert Euro für Harz4 gleich ein paar Tausend Euro pro Monat für den Klinikaufenthalt draufgehen.
Als ich das jetzt gelesen habe, dachte ich, das ist nicht dein Ernst.
Aber der Link ist mir wohl bekannt.
Ich hätte dich nämlich jetzt sonst rund gemacht. Ohne Scheiß *lach*
Wunderbar. Einfach wunderbar. Und es geht auch ohne Alkohol, wie ich gerade am eigenen Laibe erfahren durfte, auch wenn der Versuch abgewendet werden konnte. Man muß nur ständig den Behörden im Ohre liegen, wo man überall nicht einverstanden ist und deren Fehler monieren. Irgendwann bekommt man dann eine Einladung auf dieser Ebene.
finde das gut das du die zeit hast so einen eigenen interessanten beitrag zu schreiben.
Aber du solltes ihn schon besuchen, sonnst fängt er doch gleich wieder an zu saufen.
Man kann da nämlich die pfleger bestechen und schwups hat er schon den hals voll. Willst du das ?
ne, nicht oder sonnst hat deine Therapie keine Chanse.
Es sollten mehr Harz4 von deiner sorte geben, die häten dann jede Meng zu tun, ich seh da grad eine Flut
jugendlicher alkis auf uns zu kommen die uns sonst schlichtweg überrollt oder übertorkelt . Guter bericht danke gibt uns zu denken.
Ich denke auch, Igor wird sofort nach seiner Entlassung vor Deiner Tür stehen und Dir sicher ein ganz ganz feines Geschenk mitbringen... :-))))
Klausbaer, habe ich doch auch.
Ich bin es, Dein Sachbearbeiter von der ARGE !!
;-)
Bei den ersten zwei Zeilen habe ich noch gedacht, du sprichst von mir.
Wieso?
Igor und ich werden Freunde fürs Leben,
sobald er wieder gesund ist.
Da bin ich ganz sicher!
;-)
Puh, ist das witzig! Ich bin fast vom Stuhl gefallen vor Lachen! Wer solche Freunde (Nachbarn) hat, braucht keine Feinde mehr. Super, Harald! :-)