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Artikel der Spartakusaufstand 1919

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der Spartakusaufstand 1919


„Schlagt ihre Führer tot!“ Vor 90 Jahren tobte in Berlin der Spartakusaufstand. Warum er scheiterte und warum Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht mit dem Leben dafür bezahlten. ZUM THEMA Mythos DDR: Was war denn schlecht? Zeitungsredaktionen und Druckereien sind besetzt, rechtsgerichtete Soldaten marschieren gegen aufständische Kommunisten: Im Januar 1919 erlebte Berlin den Spartakusaufstand. Viele Arbeiter und Sozialisten waren unzufrieden mit der von der SPD-geführten Regierung. Sie träumten von Verstaatlichung der Industrie und wollten die alten, noch aus der Monarchie bestehenden Seilschaften in Verwaltung und Heer kappen. Die Instrumente der noch blutjungen Demokratie in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg schienen ihnen zu schwach. Sie gingen auf die Straße und griffen zu den Waffen – freilich war ihr Aufstand zum Scheitern verurteilt, gegen die Soldaten, die anrückten, waren sie machtlos. Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, die Protagonisten der sozialistischen Bewegung in Deutschland, sind die prominentesten Opfer des Aufstandes, sie wurden gefangen genommen, misshandelt und hingerichtet. Der Spartakusbund, dessen Anhänger maßgeblich für die Revolte verantwortlich waren und deshalb dem Aufstand den Namen gaben, wurde 1916 zunächst unter dem Namen „Gruppe Internationale“ von Luxemburg, Liebknecht und Franz Mehring gegründet. Später benannte sich die Gruppierung in Spartakusbund um – in Anlehnung an die „Spartakusbriefe“, dem Organ der Vereinigung. Die Hintergründe Ein Land im Vakuum: Der Erste Weltkrieg war verloren, das Deutsche Reich zerfallen, der Monarch abgesetzt und geflohen. Seit der Novemberrevolution 1918 bildete der Rat der Volksbeauftragten unter dem Vorsitz von Friedrich Ebert (SPD) die Regierung. Diesem Rat gehörten noch zwei weitere SPD-Vertreter und drei Politiker der sozialistisch gesinnten Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) an. Diese Regierung galt als Nachlassverwalterin des Kaiserreichs. Sie musste, um das Land vor einem totalen Kollaps zu bewahren, mit den bisherigen Verwaltungsstrukturen zusammenarbeiten und mit der Obersten Heeresleitung (OHL) kooperieren. Doch vielen November-Revolutionären war die Konstellation verhasst. Ende 1918 schieden die USPD-Vertreter aus der Regierung aus und wurden im Rat durch SPD-Anhänger ersetzt. Die USPD hatte im Rat entschieden, aber vergeblich darauf gedrungen, Verwaltung und Heer schnell zu demokratisieren, die alten Beamten und Offiziere abzusetzen und durch Räte zu ersetzen. Die SPD dagegen wollte erst eine Nationalversammlung einberufen, um alle wichtigen Entscheidungen zu fällen. Der Kampf verlagerte sich auf die Straße, wo Spartakisten in Berlin große Demonstrationen organisierten. Viele Arbeiter waren enttäuscht, weil die SPD-Regierung ihrer Meinung nach nur passiv agierte. So auch am 4. Januar 1919, als der Berliner USPD-Polizeipräsident Emil Eichhorn vom Rat der Volksbeauftragten seines Amtes enthoben wurde. Die Protagonisten Zum Jahreswechsel 1918/1919 gründete sich die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD), in der der Spartakusbund aufging. Hauptrednerin auf dem Gründungsparteitag war Rosa Luxemburg, die das „Spartakusprogramm“ der KPD erläuterte. Luxemburg hatte betont, man werde „nie anders die Regierungsgewalt übernehmen als durch den klaren, unzweideutigen Willen der großen Mehrheit der proletarischen Masse in Deutschland, nie anders als kraft ihrer bewussten Zustimmung zu den Ansichten, Zielen und Kampfmethoden des Spartakusbundes“. Wahlzettel „kein Hebel“ Doch die Stimmung war längst umgeschlagen, die Mehrheit der KPD-Delegierten wollte nicht an den bevorstehenden Wahlen zur Nationalversammlung teilnehmen. Karl Liebknecht betonte: „Die Nationalversammlung bedeutet aber nichts anderes als eine formelle politische Demokratie. Sie bedeutet durchaus nicht diejenige Demokratie, die der Sozialismus stets gefordert hat. Der Wahlzettel ist sicherlich nicht der Hebel, mit dem die Macht der kapitalistischen Gesellschaftsordnung aus den Fugen gehoben werden kann.“ Liebknecht war dafür, mit Waffengewalt die am 19. Januar angesetzte Wahl zur Nationalversammlung zu verhindern. Der KPD-Mitbegründer, geboren 1871, war 1907 wegen einer antimilitärischen Schrift zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Noch während der Haft wurde er ins Abgeordnetenhaus gewählt, wo er sich dem äußeren linken Rand der SPD zuordnete. Ab 1916 gab er zusammen mit Rosa Luxemburg illegal die „Spartakusbriefe“ heraus. Mitten im Ersten Weltkrieg organisierte er eine Friedensdemonstration und wurde deshalb wegen Hochverrats festgenommen. Als er 1918 begnadigt wurde, empfingen ihn seine Anhänger euphorisch. Rosa Luxemburg, die zusammen mit Liebknecht viele sozialistische Publikationen verantwortete, gehörte schon während ihrer Schulzeit in Warschau illegalen politischen Vereinigungen an und musste vor einer drohenden Verhaftung in die Schweiz fliehen. 1898 ging sie eine Scheinehe ein, um die deutsche Staatsbürgerschaft zu erhalten, die ihr die Mitarbeit bei der deutschen Arbeiterbewegung ermöglichte. Sie siedelte nach Berlin über, schloss sich der SPD an und kämpfte gegen den deutschen Militarismus und Imperialismus. Weil sie 1914 zur Kriegsdienstverweigerung aufrief, musste sie ins Gefängnis. 1918 wurde sie aus der Haft entlassen. Bei der KPD-Gründung trat sie für gemäßigte Standpunkte ein, da sie sich immer noch dem Pazifismus verbunden fühlte, wurde aber überstimmt. Der „Bluthund“ Niedergeschlagen wurden die Januaraufstände von Gustav Noske, Mitglied im Rat der Volksbeauftragten. Friedrich Ebert erteilte ihm den Auftrag, gegen die Aufständischen vorzugehen. Noske hatte erst Skrupel, mit Militärgewalt einzuschreiben, erklärte sich dann aber bereit mit den Worten, dass einer ja den „Bluthund“ machen müsse. Als der Aufstand bereits niedergeschlagen war, ließ er auch noch rechtsgerichtete Freikorps in Berlin einmarschieren Der Verlauf Am 5. Januar starteten die Besetzungsaktionen der Aufständischen, um zunächst die Presse unter Kontrolle zu bringen. Gegen die Regierung hatten sich KDP- und USPD-Anhänger sowie Revolutionäre Obleute erhoben. Ihr Ziel: die Wahl zur Nationalversammlung zu verhindern und eine sozialistische Räterepublik zu installieren. Am 6. Januar erklärte ein Revolutionsausschuss die Regierung für abgesetzt und rief zum Generalstreik auf. Verhandlungen mit der Ebert-Regierung scheiterten jedoch. „Spartakus kämpft um die ganze Macht“ Am 8. Januar veröffentlichte die Regierung unter Ebert einen Aufruf gegen den Spartakusbund: „Spartakus kämpft jetzt um die ganze Macht. Die Regierung (…) soll mit Gewalt gestürzt werden. Die Erfolge habt ihr gesehen. Wo Spartakus herrscht, ist jede persönliche Freiheit und Sicherheit aufgehoben. Die Presse ist unterdrückt, der Verkehr lahmgelegt. Teile Berlins sind die Stätte blutiger Kämpfe. Andere sind schon ohne Wasser und Licht.“ Als am 7. Januar Gustav Noske von Friedrich Ebert den Oberbefehl über die Truppen bekam, um den Aufstand niederzuschlagen, bändigte die Regierung die Aufständischen mit Militärgewalt. Neben der Republik loyal gesinnten Soldaten gehörten zur Truppe aber auch republikfeindliche Militaristen. 165 Menschen kamen ums Leben. Die Revolutionäre hatten ihren Aufstand nur unzureichend vorbereitet, sie mussten sich schon bald der Regierungsgewalt beugen. Am 12. Januar hatte die Regierung wieder die komplette Kontrolle inne. Die Ermordung Luxemburgs und Liebknechts Doch die Welle der Gewalt war mit dem offiziellen Ende des Aufstands noch nicht zu Ende. Die rechtsradikalen Freikorps und andere republikfeindliche Bewegungen sahen die Chance gekommen, mit brutaler Härte gegen die Sozialisten vorzugehen. Am 15. Januar verhafteten Freikorpsoffiziere Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, die beiden führenden Köpfe der sozialistischen Bewegung in Deutschland. Luxemburg und Liebknecht standen schon zuvor im Fokus rechtsgerichteter Propaganda, auf einem Flugblatt hieß es etwa: „Schlagt ihre Führer tot! Tötet Liebknecht! Dann werdet ihr Frieden, Arbeit und Brot haben. Die Frontsoldaten.“ Leiche in Kanal geworfen Liebknecht und Luxemburg wurden von Soldaten der Garde-Kavallerie-Schützendivision verschleppt. Sie wurden ins Hotel Eden gebracht und der Gewalt von Waldemar Pabst, dem Ersten Generalstabsoffizier des Korps, übergeben. Er verhörte die beiden persönlich. Luxemburg und Liebknecht wurden misshandelt und erschossen. In einer persönlichen Notiz, die man nach Pabsts Tod 1970 fand und in einem Interview, das er 1962 gegeben hatte, erweckte Pabst den Eindruck, Noske, der für die SPD der Regierung angehörte, habe die beiden Morde gebilligt. Rosa Luxemburgs Leiche wurde in den Landwehrkanal geworfen und erst im Mai geborgen. Liebknecht wurde im Tiergarten erschossen. die Fogen.Der Januaraufstand vergiftete zusehends das Klima in der noch jungen deutschen Republik. Die Arbeiterbewegung war zerstritten und folgte unterschiedlichen Ideologien. Kommunisten und Sozialdemokraten standen sich fortan in Opposition gegenüber, was die rechtsgerichteten Kräfte stärkte. Dass die Aufstände brutal mithilfe rechtsradikaler Truppen und extremer Waffengewalt niedergeschlagen wurden, half genau diesen Tendenzen. Die Hauptstadt war Anfang des Jahres 1919 einem Bürgerkrieg sehr nahe, was zu einer schweren Hypothek für die Weimarer Republik wurde. 


 


1 Kommentar

Kommentare zu der Spartakusaufstand 1919

 

LadyInRedLadyInRedam 26.03.09


Uff. Das muss ich erstmal verdauen.

Kleine Anmerkung, ein paar Absätze täten der Lesbarkeit gut. ;)


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