Artikel Das fidele Amtsgericht = www.youtube.com/watch?v=SBSDTtJTry8
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Unter den Augen von Richtern und Staatsanwälten
handelten Beamte mit Akten und feierten Sexorgien
Die
Frankfurter Staatsanwälte konnten kaum glauben, was Kronzeuge Jean L.*
zu Protokoll gab. Nachdem er Anfang November den schwunghaften Handel
von Gerichtsakten durch Justizbeamte aufgedeckt hatte (FOCUS 47/98),
legte er jetzt nach – erzählte von Orgien mit Prostituierten,
bestohlenen Häftlingen, Waffenhandel und Hehlerei. Die Frankfurter
Staatsdiener ließen angeblich nichts aus.
Blinde Justitia. Die
Ermittler sind überrascht, daß Richter und Staatsanwälte vom lockeren
Treiben im Amtsgericht offenbar kaum etwas mitbekamen. So schildert L.,
wie verhaftete Prostituierte nachts in die Zellen geführt wurden. „Die
Frauen mußten sich ausziehen.“ Dann klickte die Polaroidkamera. Auch am
Tag suchten die Beamten den Hormonkick. Mit der Video-Außenkamera
zoomten sie sich in die Personalumkleide des benachbarten C &
A-Kaufhauses.
Um keine Idee verlegen waren die Beamten auch, wenn es
darum ging, den kargen Sold aufzubessern. So stahlen sie
kolumbianischen Drogendealern 100-Dollar-Noten aus der Geldbörse. Als
Kronzeuge L. später wegen „guter Führung“ als Freigänger in einer
Fleischfabrik in der Wetterau arbeitete, besorgte er den umtriebigen
Staatsdienern billig Steaks und Würste, deren Verfallsdatum längst
abgelaufen war: „Busweise karrten die Wachmänner diese Ware weg und
verhökerten sie“, so der Polizeiinformant. Als der Handel überhandnahm,
teilte der Amtsgerichtsdirektor per Aushang am Schwarzen Brett mit:
„Geschäfte mit Häftlingen sind nicht erlaubt.“
Die
Staatsanwaltschaft hält L. für glaubwürdig. Aufgrund seiner Aussagen
stellte sie bereits vier Haftbefehle aus. Hauptwachtmeister
Ernst-Ludwig M. sitzt in U-Haft, für die drei anderen wurden die
Beschlüsse ausgesetzt.
Bei der jüngsten Durchsuchung in der
Wohnung eines Beschuldigten stießen Polizisten auf ein Lager
gestohlener Parfümflaschen. „Zudem steht einer der Beamten im Verdacht,
mit Waffen gehandelt zu haben“, so Job Tilmann, Sprecher der
Frankfurter Staatsanwaltschaft.
Der
Aktenschmuggel scheint überdies in wesentlich größerem Ausmaß betrieben
worden zu sein als bisher angenommen. „Ich diente vier Justizbeamten
als Hehler“, verriet L. „Und ich war bestimmt nicht der einzige.“
Allein für Hauptwachtmeister Ernst-Ludwig M. habe er 200 Akten
„vertickt“. Über die Kunden schweigt der Zeuge – noch. Die Ermittler
haben Hinweise, daß auch eine Frankfurter Rechtsanwaltskanzlei zu den
Auftraggebern gehörte. „Dort habe ich bestellte Akten abgeliefert“,
schwört er.
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http://www.politgauner.de/html/amtsgericht.html
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