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Arbeitsmarktkrise

Arbeitnehmer zu Zugeständnissen bereit
Auch ALG-II-Empfänger für Job kompromissbereit


Nürnberg (wnorg) - Deutschland packt die Krise an: Nicht nur viele Unternehmen haben sich durch Flexibilität und Kreativität erfolgreich gegen die Krise gestemmt. Auch viele Arbeitnehmer haben durch Zugeständnisse und Kompromisse dazu beigetragen, ihren eigenen Arbeitsplatz mit zu sichern. Und diejenigen die derzeit keine Arbeit haben, wären auch zu Zugeständnissen bereit, um endlich wieder einen Arbeitsplatz zu haben. Dies zeigen Untersuchungen von zwei renommierten Instituten, deren Ergebnisse die wnorg-Redaktion für die Leser von www.wirtschaftsnachrichten.org zusammengefasst hat.


Arbeitsplatzerhalt für Viele vorrangig


Um Arbeitsplätze im eigenen Unternehmen zu sichern, zeigt sich die Mehrheit der Deutschen bereit zum Verzicht. Rund 60 Prozent würden Zugeständnisse an den Arbeitgeber machen, wenn dieser dann von Stellen-Streichungen absieht. Dies geht aus den Ergebnissen der aktuellen Frage des Monats September hervor, die die GfK in Kooperation mit der "Welt am Sonntag" erhoben hat.


Knapp ein Drittel der Befragten gab an, auf übertarifliche Leistungen zu verzichten, wenn dadurch Arbeitsplätze gerettet würden. Fast ebenso viele können sich vorstellen, vorübergehend ohne Lohnerhöhungen auszukommen. Immerhin noch gut 14 Prozent würden länger arbeiten, auch wenn sie dafür keinen Lohnausgleich erhalten. Und etwa 12 Prozent würden sich mit weniger Urlaubs- oder Feiertagen arrangieren. Am geringsten fällt die Bereitschaft bei Lohnkürzungen aus. Lediglich 7 Prozent der Deutschen würden diese Maßnahme befristet in Kauf nehmen.


40 Prozent der Deutschen: Keine Kompromisse!


Insgesamt können sich fast 40 Prozent der Deutschen überhaupt nicht mit Einschränkungen anfreunden. Sie wären zu keinerlei Zugeständnissen bereit. Bei den sehr jungen Befragten liegt dieser Wert deutlich höher. Etwa die Hälfte der 14- bis 19-jährigen kann sich – zumindest in der Theorie – nicht mit Einschränkungen abfinden. Ähnlich sieht das Ergebnis bei den über 50-Jährigen aus. Auch hier würde sich die Hälfte weigern, Zugeständnisse zu machen.


ALG-II-Empfänger würden viel tun für Arbeitsplatz


Arbeitslosengeld-II-Empfänger sind für einen neuen Arbeitsplatz zu Zugeständnissen bereit, nicht jedoch in jeder Hinsicht. Dies geht aus einer im September veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Mehr als zwei Drittel würden einen langen Arbeitsweg, ungünstige Arbeitszeiten, eine Arbeit unter ihrem Qualifikationsniveau oder belastende Arbeitsbedingungen in Kauf nehmen.


Weniger kompromissbereit zeigen sie sich beim Thema Umzug: Rund zwei Drittel der Befragten können sich nicht vorstellen, für einen neuen Arbeitsplatz den Wohnort zu wechseln. Die Lohnvorstellungen der Arbeitslosengeld-II-Empfänger liegen durchschnittlich bei 6,29 Euro netto pro Stunde.


Lohnerwartungen von weniger als 8 Euro


Die Lohnerwartungen von alleinstehenden Bürgern, die Arbeitslosengeld-II beziehen bieten nach Ansicht der Wissenschaftler einen weiteren Ansatzpunkt für Aktivierungsmaßnahmen. Deren Lohnvorstellungen liegen mit durchschnittlich 6,07 Euro netto zwar niedriger als bei den Arbeitslosengeld-II-Empfängern mit Kindern. Abhängig von der Zahl der Kinder wollen diese im Schnitt zwischen 6,72 und 7,58 Euro netto verdienen.


Wegen der vergleichsweise ungünstigen Behandlung im Steuerrecht liegen jedoch die Bruttolohnansprüche der Alleinstehenden sehr viel höher als der Lohn, der ihrem Arbeitslosengeld II entspricht. Dies ist bei Arbeitsuchenden (ALG-II) mit Kindern nicht so.


Individuelle Strategien bei der Betreuung notwendig


Im Einzelnen müssten  nach Ansicht der Wissenschaftler die individuelle Lebenssituation, Biographie und Entwicklungsmöglichkeiten der Betroffenen einbezogen werden.


Dies gelte besonders in Zeiten der Arbeitsmarktkrise. "Aktivierungsbedarf ergibt sich nicht alleine dadurch, dass es den Leistungsempfängern unmittelbar an Eigeninitiative mangeln würde", betont das IAB. Vielfach sei die Eigeninitiative durchaus hoch, aber andere Hemmnisse, beispielsweise fehlende Kinderbetreuung, stünden der Aufnahme einer Beschäftigung entgegen.


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