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Artikel Erster Weltkrieg: Kriegsentschluß im November.

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Erster Weltkrieg: Kriegsentschluß im November.

Als Tirpitz seinem Mitarbeiter Hopman über die Krisenkonferenz im
Jagdschloß Springe vom Vortage berichtete, war die Entscheidung bereits
gefallen. Das, was der Kaiser, Schlieffen und Bülow - 1905, Bethmann Hollweg,
Bülow, Tirpitz, Schoen, Metternich und Moltke - 1909 diskutiert hatten, war nun, am
24.11.1912, Wirklichkeit geworden.


Trotz des Sträubens der Flotte, die sich
nicht sinnlos im Kampf mit der englischen Grand Fleet opfern wollte, hatte sich
die Führungsspitze des Reichs (Reichskanzler, Generalstabschef, Kaiser) bei dieser Gelegenheit zu dazu entschlossen,
binnen Monaten den großen Entscheidungskampf zwischen Slawen und Germanen zu
führen. Deutschland bereitete, mit der umfangreichsten Heeresvermehrung seit
1871, den Kampf mit Rußland vor, der - nach Aussage des Kaisers (9.12.1912) - in
Kürze als "Rassenkampf" folgen werde. Der Gegner stand nun nämlich im Osten und
Panslawismus und Pangermanismus (vgl. Stalin/Hitler) schienen künftig
unvereinbar.


Der Konflikt zwischen den "Balkanbund"-Staaten (hinter denen Rußland
stand) und der Türkei (hinter der Deutschland stand), leitete direkt in die Auseinandersetzung der
"germanischen" Staaten Deutschland und Österreich - mit den romanischen und
slawischen Mächten Frankreich und Rußland - über.


Sch. weist darüber hinaus
nach, dass die Lehre von der Polykratie zwischen den Entscheidungsträgern im
Kaiserreich ins Reich der Legende gehört. Vielmehr herrschte seit der Gründung des Deutschen Reichs
eine enge Interdependenz der Ämter (Kaiser, Militärkabinett, Reichskanzler, Auswärtiges Amt, Kriegsministerium, Generalstab, Reichs Marine Amt, Admiralstab, Reichskolonialamt) , und hier gerade zwischen den politischen und
militärischen.


Dies haben die Beteiligten von 1914 uni sono zurückgewiesen. Die
Gründe dafür liegen auf der Hand. Damit eröffnet sich eine neue Sicht auf die
Entscheidungen von 1914, die deutscherseits aussichtsreicher waren, als bisher
gesehen. Das auch infolge der Wirtschafts- und Volkskraft, wie der allgemein  noch vorausgesetzten militärischen Präponderanz des Reichs. - Nur, diese Pläne
scheiterten.


1 Kommentar

Kommentare zu Erster Weltkrieg: Kriegsentschluß im November.

 

forumfilmforumfilmam 10.09.10


Mittwoch, 1. September 2010, Nr. 202

Expansion als Staatsziel
Rezension. Ein Aufsatzband über die deutsche Hegemonialpolitik liefert komplexe Einsichten zur Vorgeschichte und zu den Ursachen des Ersten Weltkriegs

Von Alexander Bahar

»...mit eigener Kraft um Deutschlands Größe« – Kaiser Wilhelm II. (r.) und Generalstabschef Helmuth von Moltke (2. v. r.) bei einem ManöverFoto: jW-Archiv
Wer die aktuelle politische Weltlage in ihrer ganzen Explosivität begreifen will, der muß sich mit der europäischen Krise des Jahres 1914 beschäftigen. Unheilvolle Parallelen drängen sich dabei auf.

Ein 2009 in zweiter Auflage erschienener Aufsatzband aus dem Jahr 1983 zur »Policy of Pretension« des deutschen Kaiserreichs liefert hierzu eine Fülle an Material und unbequemen Einsichten. Dabei wird das teilweise verwirrende Spektrum des innenpolitischen Kräftespiels im Deutschen Reich akribisch herausgearbeitet. Autor ist der Historiker und Publizist Bernd F. Schulte, ein Schüler des berühmten Hamburger Zeitgeschichtlers Fritz Fischer. Schulte war Dozent an Hamburger Hochschulen und hat Filme und Fernsehsendungen produziert.

Die für den historischen Laien bisweilen schwer zugänglichen, weil aus der Fachdiskussion heraus entstandenen Aufsätze und Vorträge schlagen einen Bogen über 25 Jahre Weltkriegsforschung. »Dieser Band faßte 1982/83 jene Fragen und Antworten zum Forschungsstand ›Erster Weltkrieg‹ zusammen, die in der damaligen westdeutschen Geschichtsschreibung nicht zur Kenntnis genommen wurden«, heißt es in der Vorbemerkung zur Neuauflage.

Obwohl die Entstehungszeit der Aufsätze zum Teil weit über dreißig Jahre zurückliegt, haben die darin behandelten Fragen wenig an Aktualität eingebüßt. Und es gilt heute verstärkt, was der Autor als wesentlichen Grund für das Publikumsinteresse an der Erstauflage nennt, als die sogenannte NATO-Nachrüstung die Menschen bewegte: Es »entstand der Eindruck, nicht mehr in einer Nachkriegszeit, sondern in einer Vorkriegszeit zu leb


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