Jugendgewalt: Was geht im Kopf des Täters vor?
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Auszug: "Der 20-jährige Marco aus Berlin schlägt wahllos und brutal zu, seit Jahren immer wieder. Warum bekommt ihn niemand in den Griff? ..."
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Kommentare zu Jugendgewalt: Was geht im Kopf des Täters vor?
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Wer versagt hat, kann ich so nicht sagen. Aber ich bin gerade mit unserer Psychiatrie mehr als unzufrieden. Diese Psychologen und Therapeuten sind oft nicht das gelbe vom Ei. Es klingt so schön, dieses "wir haben doch alles getan", aber dahinter ist oft Fehleinschätzung, mangelnde Kompetenz, Ignoranz und Arroganz. Kinder wurden in den letzten Jahrzehnten vollgedröhnt mit Mist, bekommen zunehmend Psychopharmaka, werden emotional oft schwer vernachlässigt und haben keine wertorientierten Vorbilder mehr. Mit der Watschen alleine wirst du das Problem nicht lösen, du senkst nur bei dem betroffenen Kind die Hemmschwelle zur Gewalt noch mehr. Alle, die so tun, als hätten sie doch alles für den Jungen getan, ziehen sich aus der Verantwortung. Sie haben was getan, aber offensichtlich falsch!
Phandatu
kapitulieren? Wir werden nicht kapitulieren. Wir haben schon lange kaputiliert. Kuschelkurs haben wir doch nun schon zu genüge getestest ohne positive Resultate oder meinst du nicht?
Im übrigen habe ich nicht von Mißhandlung, Prügel und Folterung gesprochen. Auch das ist kriminell.
Hier in der Nachbarschaft hatten wir auch so einen kleinen Tyranen. Sein Vater starb an Krebs als er 5 war. Die Mutter wurde mit dem Kleinen fertig. Zuerst Kita, dann Sonderkita, dann Grundschule, dann Grundschule mit spezieller Lernförderung. Dannach Therapien. Der Kamerad bekam ein Schlagzeug um sich abreagieren zu können. Die Nachbarn standen Kopf. Aber wen interessierte es? Wichtig war doch das gesunde Heranwachsen und seine Ausgeglichenheit.
Zu vielen Erwachsenen war er jahrlang unverschämt. Da vielen Wörte wie Schw***lutscher, Mutterf*****. usw. Er wurde ebenfalls zum Schläger trotz seiner psychologischen Betreuung. Warum nur?
Seit er 13 war lebte er dann in einer Einrichtung. Er kam nur an den Wochenenden nach Hause zu Mamma. Dort tat er was er wollte. Da war, mit der Vespa in hoher Geschwindigkeit auf dem Fußweg zu fahren und eine alte Frau dabei verletzt zu haben nur ein Kavalierdelikt. Rauchen (auch Kanabis), Saufen und Schlägern waren weiterhin an der Tagesordung.
Sorry, aber meiner Meinung hätte ihm mal eine Watschen im Kindesalter, zum richtigen Zeitpunkt mehr geholfen als eine Schlagzeugtherapie. Es wurden ihm nie Grenzen gesetzt und jetzt sitzt er in Jugendhaft mit 18 (schwerer Raub mit Körperveletzung) trotz all den Anstrengungen. Wer hat hier nun versagt?
Härtere Strafen, oder effektivere. Unsere Justiz ist auf diesem Gebiet wirklich ineffizient. Natürlich wird nicht jeder kriminell, psychisch krank oder was weiß ich was, wenn im Leben alles aus der Bahn gerät. Aber bei Marco hatte das einen Schlonz von negativen Folgen für seine Entwicklung. Und er ist nur einer von vielen, die entgleist und ohne Perspektive sind. Seine Intelligenz reicht auch nicht, um sein Leben ohne Gewalt auf die Reihe zu bringen. Er war allerdings frühkindlich schon auffällig, also ist es letztlich schon ein Versäumnis des Kollektivs. Ihr macht es euch alle ziemlich einfach mit pauschalen Forderungen nach Prügel und Knast. Natürlich können wir weiter alle Kinder, die einen Schlag weg haben, weiter vernachlässigen und sie dann alle auf ewig wegsperren. Folter könnten wir auch wieder einführen. Dann kapitulieren wir halt als ach so zivilisierte Gesellschaft und geben unserem niederen Trieb nach. Toll! Ich finde unsere Justiz auch sehr fahrlässig, aber daraus schlusszuforlgern, dass nur härtere Strafen hersollen, ist nur ein Ausdruck des Unwillens, Verantwortung für die Schwächsten zu übernehmen. Als man Marco noch hätte formen und fördern können, hat sich keiner für ihn interessiert. Jedem Psychologen hätte klar sein müssen, dass Marco zu einer gefährlichen Risikogruppe gehört. Armut, Trauma, Keiner, der einem vernünftige Grenzen setzt, männlich pubertierend und Null Bildung, kein Job,Alkohol, kein gesundes Umfeld, das hat auch früher schon selten Gutes gebracht. Mit Weitblick hätte das alles vermieden werden können. Jetzt ist jemand umsonst gestorben und Marco hat sein ganzes Leben verpfuscht. Hätte aus meiner Sicht alles nicht sein müssen.
Phantadu
Marcos Vater starb früh... Oh Oh welche Entschuldigung. Mein Bruder war 7 Jahre alt, als unser Vater starb. Aus ihm ist kein Schläger und kein Mörder geworden sondern ein mit beiden Beinen im Leben stehender Unternehmer.
Warum muß denn immer eine soooooo schlechte Kindheit für alle kriminellen Handlungen dieser Früchtchen herhalten. Vielleicht wäre ein bisschen mehr Härte des Gesetzes bei den ersten Straftaten nötig um das Ganze im Keim zu ersticken.
Im Fall Marco spielen viele Faktoren eine Rolle. Der frühe Tod des Vaters, der wohl nicht aufgearbeitet wurde und zu unterbewussten Verdrängungsmechanismen führte, eine Mutter, die ihr eigenes Leben nie gebacken gekriegt hat und sowieso nicht die Hellste scheint. Förderung bekam der sozial Schwache auch in der Schule nicht, sodass er ohne Abschluss ins Leben gestoßen wurde. Als Unterpriviligierter hat der entsrpechende Freunde gefunden, die ihm auch keine Werte vermittelten. Zudem war er mit 10 schon in Psychiatrischer Behandlung. Die haben offenbar auch versagt. Dann die viel zu lächerlichen Strafen, die ihn geradezu ermutigten, weiter zu machen.Man will ja cool sein, wenn man sonst schon nichts zu bieten hat. Wenn du mich fragst, ist da alles schief gelaufen, was nur schieflaufen kann. Jetzt nur die bösen Jugendlichen zu verteufeln, wäre kontraproduktiv. In meiner Erfahrung in Jugendarbeit habe ich nur bei den wenigsten wirklich das Gefühl gehabt, dass sie aus reiner Teufelsenergie heraus vernichten. Marco ist ein durch und durch vernachlässigter Problemjunge, der möglicherweise richtig was aus sich machen hätte können bei all der falsch kanalisierten Energie. Da es immer öfter zu solchen Persönlichkeitsstörungen bei jungen Leuten kommt, muss sehr wohl die Antwort in unserer Gesellschaft gesucht werden. Die Prügelstrafe wieder einfordern, ist allerdings das dümmste, was den Leuten einfällt. Viel zu oft zeichnen sich solche Lebensläufe schon ziemlich früh ab. Da hat man viel versäumt. Wusstest du, dass die Suizidrate bei Jugendlichen in solchen prekären Lebenslagen stetig steigt. Gerade bei Jungs? Wer einer Jugend keine Perspektive bietet, muss sich nicht wundern, wenn es Auswüchse gibt. Strafe und Grenzen müssen sein, aber genauso brauchen sie Liebe und Halt. Darum müssen gerade Hartz4-Kinder besonders gefördert werden. Eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Das vergessen wir alle all zu gerne.
Phantadu, einige von ihnen kenne ich bis heute. Es sind durchweg nette Opas, die ihre Enkelkinder lieben und nur ihre Tattoos erinnern noch an die wilden Jahre. Und sie alle haben das Cleopatra-Abenteuer nicht vergessen. Das war eine Vorort-Disco, die man plattmachen wollte, weil dort jemand verkehrte, der einen beleidigt hatte. Also alle rein, ich blieb draussen. Was sie nicht wussten war, dass albanische Zuhälter die Disco als Geldanlage benutzten und gerade im Hinterzimmer eine Konferenz mit St-Pauli-Kollegen hatten, um das Revier neu zu verteilen. Nach ein paar Minuten sah ich meine Jungs einzeln die breite Eingangstreppe runterfliegen, alle mit blutenden Gesichtern. Danach wurde es in der Gruppe viel ruhiger.
Kalmar, auch ich habe solche Gewalttäter erlebt. Das sind solche, die keine Grenzen kennen. Aber vergisst du nicht diejenigen, die selbst immer gedroschen werden und wurden und dann ab einem gewissen Punkt blindlings zuschlagen, weil man auch ihre Grenzen ständig überschritten hat? Mein Freund war in seiner Jugend so einer. Findelkind, Heim, brutale Gewalt durch Nonnen, Adoptiveltern, die ihn nur geprügelt haben, ein Dorf, dass das Adoptivkind immer im Visier hatte, Erzeihungsheim, Prügel ohne Ende... und dann, eines Tages drehte er durch und schlug jeden, der ihm in die Quere kam. Gott sei dank kam er in die Obhut eines Liebesfähigen Pfarrers, der seine Geschichte kannte. Mein Schatz hat sich wieder eingekriegt und ist ein guter Mann. Hätte er aber nicht Glück gehabt und Liebe erfahren, dann wäre er sicher Dauergast im Knast gewesen. Schläge, Unrecht, Diskriminierung erleben auch heute noch so einige Jugendliche. Und sie sind Pulverfässer. Wehe, wenn sie hochgehen. Gewalt hat viele Ursachen. Nicht jeder, der geschlagen wird, schlägt selber. Nicht jeder, der unkonsequent erzogen wurde, wird zum brutalen Machtausüber. Dennoch gibt es immer Ursache und Wirkung. Grenzen setzen ist absolutes A und O, aber dann darf man auch nicht die Grenzen des Kindes überschreiten.
Phantadu, bevor ich das Theaterhandwerk erlernte musste ich ein solides Studium der Psychologie absolvieren und beenden. Dazu gehörte eine begleitende Tätigkeit in einer sehr gewalttätigen Hamburger Rockergruppe. Zwei Jahre lang war ich quasi ein Teil von ihr und sie akzeptierten mich. Einmal weil ich aus einer Arbeiterfamilie wie sie stammte, wir also keine Sprachbarriere zwischen uns hatten und weil sie wussten, dass ich nach Gründen für ihre Probleme suchte. Ich kannte ihre Familien und die wenigsten Eltern hatten ihre Kinder jemals geprügelt. Nur konnten ihre Jungs anstellen was sie wollten, sie wurden immer in Schutz genommen, besonders von den Müttern. Die besorgten ihnen auch jedes gewünschte Alibi. Und keiner von ihnen war arm, sonst hätten sie sich weder die Lederkluft noch das Motorrad leisen können. Aber sie hatten das berauschende Gefühl der Macht, wenn sie wieder mal eine Kneipe zerlegt und die Gäste grundlos verdroschen hatten.
Kalmar, da sagst du mir etwas völlig Neues. Wo hast du die Info her? Von wegen mütterlicher Affenliebe? Die ist zwar gewiss ungesund, aber wieso sollte sie zu so derartigen Gewaltexzessen führen? Kannst du mir da einen Link oder so geben? Ich bin gerne bereit dazuzulernen. Oh, da kommt mir ein Gedanke: Führt mütterliche Affenliebe zu emotionaler Erpressung, sodass der Druck irgendwo rausmuss? Könnte das sein?
Phantadu, die meisten Schläger sind Opfer mütterlicher Affenliebe, die jede Konsequenz vermissen ließ. Die Geschichte vom geprügelten Schläger stellt sich in der Praxis immer häufiger als altes Sozialpädagogenmärchen heraus. Aus dem Artikel geht nicht ein einziger brauchbarer Ansatz für eine sinnvolle Therapie hervor.
Bertram, zur Gewalt neigen eher die, die zu oft verhauen wurden. Das sollte auch einer wie du langsam begriffen haben. Aber du scheinst völlig immun gegen besseres Wissen. Du machst es dir wirklich einfach. Mit Schlägen erreicht man gar nichts. Du hast offensichtlich auch zu viele abgekriegt. Aber der häufig benutze Satz ist ein Irrtum: Schläge auf den Hinterkopf erhöhen das Denkvermögen. Falsch. Man sieht das ja an dir, dass Hopfen und Malz bei zu viel Schlägen verloren sind und Schläge offensichtlich doch schaden. Tust mir Leid.