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Artikel Vor 105 Jahren: Massaker am Bud Dajo

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Vor 105 Jahren: Massaker am Bud Dajo
 
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    Anfang März 1906 töteten US-Truppen unter dem Kommando von Oberst J.W. Duncan ca. 1000 Philippinische Moslems, auch Moros genannt, die im Vulkankrater des Bud Dajo (Tausug: Būd Dahu), im Süden der Philippinen Zuflucht gesucht hatten. Laut dem Biografen Hermann Hagedorn waren die Moro-Rebellen von Bud-Dajo die Überreste von zwei oder drei früheren Revolten gegen die amerikanische Besatzung, gegen die Kopfsteuer, und von Geächteten, die sich keinem Häuptling unterordnen wollten. Von einem Massaker wird deshalb gesprochen, weil die Opfer Männer, Frauen und Kinder waren und es kaum Überlebende gab. Außerdem war es eine waffentechnisch völlig ungleiche Auseinandersetzung zwischen den mit modernen Waffen wie Colt-Browning Maschinengewehren, Kanonen und Krag-Jørgensen-Gewehren ausgerüsteten US-Soldaten und den nur mit traditionellen Waffen wie Speer, Kris, Barong (Schwert) und einigen altmodischen Gewehren bewaffneten Moslems.


    Kampf am Bud Dajo

    Dajo ist der Lavakegel eines erloschenen Vulkans mit einer Höhe von 640 Metern. Der Umfang des Kraters beträgt ca. 1,6 km. Als natürliches Bollwerk war der Krater deshalb ein beliebter Unterschlupf für arme Moslems, um sich vor den Steuereintreibern zu verstecken.
    Bald lebten auch Familien im Krater und im März 1906 hatten dort mehr als tausend Moros, Männer, Frauen und Kinder, Unterschlupf gefunden.

    Am 2. März 1906 schickte der Gouverneur der Sulu Provinz, Major Scott, drei befreundete Häuptlinge (datus) den Berg hinauf, um die Moros zur Aufgabe zu bewegen oder zumindest ihre Frauen und Kinder ins Tal schicken zu lassen. Da die Moros dies ablehnten, wurde auf Befehl von Scott der Angriff vorbereitet.
    Der Angriff wurde von ca. 790 Männer und Offizieren der 6. Infanterie, des 4. Kavallerie Regiments, der 28. Artillerie-Batterie, der Sulu Constabulary , der 19. Infanterie und von 6 Seeleuten vom Kanonenboot Pampanga (möglicherweise als Bedienungspersonal für die mitgeführten Colt-Browning Maschinengewehre des Kanonenboots) geführt.
    Die „Schlacht“ begann am 5. März mit dem Beschuss des Vulkankraters mit 40 Runden Schrapnellgeschossen aus Gebirgsgeschützen. Nachdem ein weiterer Versuch die Moros zur Aufgabe zu veranlassen am 6. März gescheitert war, begannen die US-Truppen den Aufstieg zum Vulkan in drei Kolonnen auf den drei vorhandenen Bergpfaden. Der Aufstieg bei 60 Prozent Steigung war schwer und man musste sich mit Macheten den Weg frei schlagen.

    Am 7. März stieß Major Bundy´s Einheit auf eine Barrikade, die den Weg 150 m unterhalb des Gipfels versperrte. Scharfschützen wurden gegen die Moro-Verteidiger eingesetzt und die Barrikade wurde mit Gewehrgranaten beschossen . Die Moros verteidigten sich mit Speeren und Kris (dem traditionellen wellig Schwert der Moros). Die Barrikade wurde dann mit einem Bajonettangriff gestürmt. 200 Moslems starben bei diesem Zwischenfall und auch Major Bundy´s Einheit erlitt schwere Verluste. Hauptmann Rivers Einheit stieß ebenfalls auf eine Barrikade, die erst nach mehreren Stunden genommen werden konnte. Während des Kampfes wurde Rivers selbst schwer verwundet. Hauptmann Lawton's Einheit hatte auf ihrem Pfad einen so schweren Aufstieg, dass die Soldaten ihren Weg teilweise auf Händen und Knien fortsetzen mussten. Sie waren Angriffen mit herabfallenden Steinen und gelegentlichen Schwertattacken ausgesetzt. Lawton und seine Männer nahmen schließlich die Verteidigungsgräben am Kraterrand im Sturm. Die Moros zogen sich in den Krater zurück und die Kämpfe wurden bis zum Einbruch der Dunkelheit fortgesetzt. Während der Nacht wurden Gebirgsgeschütze bis an den Kraterrand geschleppt. Bei Tagesanbruch eröffneten sowohl die Gebirgsgeschütze als auch die Geschütze des Kanonenbootes Papanga das Feuer auf die Befestigungen im Krater. Die Moros, mit Krises und Speeren bewaffnet, wollten sich aber nicht ergeben und hielten ihre Positionen. Als einige Verteidiger die amerikanischen Soldaten direkt angriffen, wurden sie im Kugelhagel niedergemäht. Die überlebenden Moros wurden mit aufgepflanzten Bajonetten im Nahkampf getötet, während sie sich versuchten mit dem Schwert (kalis und barung) zu verteidigen.

    Von den geschätzten 1.000 Moros bei Bud Dajo überlebten nur 6. Die Leichen lagen teilweise in fünf Reihen übereinander und viele hatten bis zu fünfzig Wunden am Körper. Die amerikanischen Verluste betrugen 18 Tote und 52 Verwundete. Nach einhelliger Einschätzung war Bud Dajo das blutigste Ereignis der Moro Rebellion.


    Hintergrund

    Die Philippinen waren 1898 in der Folge des amerikanisch-spanischen Krieges durch US-Truppen besetzt worden. Es folgte ein blutiger und verlustreicher Freiheitskampf der schlecht ausgerüsteten Philippinischen Truppen im christlichen Norden der Inseln gegen die überlegenen amerikanischen Besatzer (Amerikanisch Verluste ca. 4.000, Verluste der Filipinos 20.000 toten Soldaten (Insurgents); insbesondere aber fielen ein Sechstel der damaligen Bevölkerung (ca. eine Million) den Auseinandersetzungen zum Opfer).

    Bis zum Ende der spanischen Kolonialherrschaft war der muslimische Süden der Philippinen weitgehend eigenständig geblieben. Die Spanier beschränkten sich auf eine Handvoll Garnisonen an der Küste und unternahmen nur gelegentlich Strafexpeditionen ins Innere der Region. Am 22. Juli 1878 wurde ein Friedensvertrag zwischen den Spaniern und dem Sultan von Sulu geschlossen. Die Tausug-Übersetzung des Vertrages sprach von einem Schutzgebiet, dass dem Sultan, abgesehen von den spanischen Garnisonen, die Kontrolle über die Inselgruppe formal überließ. Allerdings erhielt Spanien, laut der spanischen Vertragsfassung, die volle Souveränität über die Inselgruppe. Die spanischen Besatzer konnten zwar den Einfluss der Moros zurückdrängen, aber sie vermochten es nie, sie zu unterwerfen.

    Dies änderte sich erst mit dem Wechsel der Kolonialmacht am Ende des 19. Jahrhunderts. Die neuen Kolonialherren – die USA – wollten das ganze Land unter ihre effektive Kontrolle bringen. Brigadegeneral John C. Bates war 1899 zu Vertragsverhandlungen (Bates Treaty) mit dem Sultan entsandt worden. Sein Hauptziel war die Sicherstellung der Neutralität der Moros im Philippinisch-Amerikanischen Krieg und die Herstellung von Ordnung im Süden der Inselgruppe. Das Bates Treaty war quasi eine Fortführung des spanischen Vertrags und litt unter den gleichen sprachlichen Unterschieden. Die Kapitulation von General Emilio Aguinaldo auf der philippinischen Hauptinsel Luzon im Frühjahr 1901 erlaubte es den Amerikanern, mehr Truppen und Ressourcen in den Süden des Landes zu senden und ins Landesinnere vorzudringen.

    Der Versuch von Gouverneur Leonard Wood Reformen in der Moro-Provinz durchzusetzen, führte zu Spannungen und Auseinandersetzungen mit den Moslems und ihren Häuptlingen (Datus). Das Amt des Sultans von Sulu wurde auf seinen rein religiösen Status beschränkt und mit einem geringen Gehalt vergütet. Die Sklaverei wurde abgeschafft und der Cedula Act von 1903 führte eine jährliche Kopfsteuer ein, die unter den Moros äußerst unpopulär war, da sie als eine Form des Tributs interpretiert wurde. Hinzu kamen Ungleichheiten in der Rechtsprechung. Der Mord von einem Moro an einem Christen wurde wesentlich strenger bestraft als ein Mord unter Moslems selbst. So kam es schon 1902 zu Überfällen auf amerikanische Soldaten und als Antwort darauf zu „Befriedungsaktionen“ wie am südlichen Lake Lanao, bei denen sich die Moros in ihre Cottas (eine Art Erdbefestigung mit tiefen Gräben und Bambuswall) mit ihren Familien zurückzogen. Diese Cottas mussten einzeln gestürmt werden, was zu hohen Verlusten bei den Verteidigern führte. Zudem führte die Teilnahme vieler amerikanischer Veteranen aus den Indianerkriegen an den Kämpfen zu einer unnötigen Härte in den Auseinandersetzungen. Sie übertrugen ihre Haltung zu den Indianern auch auf die Kämpfe mit den Moros, nach dem Motto „nur ein toter Moro ist eine guter Moro“. Eine andere gebräuchliche Redensart war: „zivilisiert sie mit dem Krag“ (Gewehr).


    Quellen: http://en.wikipedia.org/wiki/First_Battle_of_Bud_Dajo
    http://en.wikipedia.org/wiki/Moro_Rebellion


    Weiterführende Seiten:

    http://www.ezania.net/library/articles/philippines/moro_muslims_engage_usa_army.htm
    http://www.royalsulu.com/history.html
    http://www.skyscrapercity.com/showthread.php?t=592070&page=185
    http://www.morolandhistory.com/06.PG-Mosquito%20Fleet/mosquito_fleet.htm
    http://members.fortunecity.com/gvtrompeta1/datu_piang_017.htm
    http://netwar.wordpress.com/2007/07/19/battle-of-bud-bagsak



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