Wissenschaft Sonstiges
Presseerklärung der Landesrektorenkonferenz zum "Strategiepapier zur
Finanzpolitik in Sachsen-Anhalt"
Mit großer Sorge hat die Landesrektorenkonferenz Sachsen-Anhalt das am
Dienstag dieser Woche der Öffentlichkeit vorgestellte Strategiepapier
des Finanzministers zur Kenntnis genommen.
Im Ergebnis sollen die den Hochschulen zur Erfüllung ihrer Aufgaben
zugewiesenen Mittel auf dem Stand des Jahres 2008 eingefroren werden.
Ab 2010 würden ca. 20 % der Personalmittel fehlen. Damit wäre das
Hochschulsystem Sachsen-Anhalts nicht mehr funktionstüchtig und die
Zukunft des akademischen Nachwuchses ohne Perspektive. Angesichts der
außergewöhnlichen Herausforderungen, denen sich die Hochschulen unseres
Bundeslandes in den nächsten Jahren stellen müssen und vor dem
Hintergrund der besonderen Bedeutung des Wissenschaftssektors für die
künftige Entwicklung in Sachsen-Anhalt halten die Hochschulen die jetzt
vorgeschlagenen Kürzungen für inakzeptabel.
Es passt nicht zusammen, einerseits ein leistungsfähiges, auch den
Erwartungen von Wirtschaft und Arbeitsmarkt entsprechendes
Hochschulsystem im Lande zu fordern und andererseits dessen finanzielle
Ausstattung zu kürzen. Die Hochschulen des Landes erbringen seit Jahren
weit überobligatorische Leistungen in Lehre und Forschung, sind mit
ihren international anerkannten Sonderforschungsbereichen an den
Universitäten und mit dem Kompetenzzentrum für angewandten
Technologietransfer der Fachhochschulen in der Lage, im nationalen wie
internationalen Wettbewerb zu bestehen. Der weitere Ausbau dieser für
die Landesentwicklung in die Zukunft weisenden Vernetzung von
Wissenschaft und Wirtschaft ist nach Umsetzung der vorgeschlagenen
Sparmaßnahmen nicht mehr zu leisten. Wer an der Zukunft spart, macht
Sparen sinnlos.
Die in dem Strategiepapier genannten Kürzungssummen im Hochschulsektor
würden die Grundlage der Wettbewerbsfähigkeit der Hochschulen
zerstören, das erfolgreiche Einwerben geeigneter Fachkräfte und
Forscher wäre schlechterdings unmöglich. Dies hätte zwangsläufig
negative Auswirkungen auf den hohen Bildungsstandard, der den
Universitäten und Fachhochschulen des Landes durchweg bescheinigt wird.
Die Hochschulen wären zugleich weder in der Lage, den Hochschulpakt
noch den Pakt für Forschung und Innovation zu erfüllen. Dies aber sind
Zukunftspakte von Bund und Ländern, die auf Bildung und Wissenschaft
setzen, und darauf, dass gerade die ostdeutschen Hochschulen den
notwendigen Zulauf an Studienanfängerinnen und Studienanfängern
bekommen. Für die Beherrschung der demografischen Entwicklung in
unserem Land ist das unabdingbar.
Den Hochschulen kommt die überragende Aufgabe zu, die künftige
Entwicklung im Lande mit zu gestalten. Für dieses Mitgestalten ist eine
hinreichende Finanzausstattung erforderlich, die schon jetzt nicht
besteht. Die beabsichtigte Kürzung der Budgets um fast 20 % hätte
unweigerlich zur Folge, dass sich unsere Hochschulen in dramatischer
Weise von denen im übrigen Bundesgebiet, wo sie deutliche Zuwächse
ihrer Budgets erfahren, abkoppeln. Eine solche Politik greift zu kurz
und ist aus der Sicht der Landesrektorenkonferenz Sachsen-Anhalt
unverantwortlich.
Wernigerode, den 12. Juni 2009
Prof. Dr. Armin Willingmann
Präsident der Landesrektorenkonferenz Sachsen-Anhalt
Rektor der Hochschule Harz (FH)
Presseerklärung der Landesrektorenkonferenz
Geschrieben von
Wtv-Wernigerode
am 14.06.09
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